Alpenüberquerung
Wien - Nizza

Anreisetag „Spezial“

Die Nacht vor der Abreise war… nennen wir es mal „semi-erholsam“. Ein wilder Mix aus Wärme, Wetter, anderem Bett und dieser leichten Aufregung im Bauch, die sich anfühlt wie Vorfreude mit Koffein. Ich lag da und dachte: Morgen geht’s los! – während mein Körper so tat, als müsste er nachts um drei noch alle möglichen Worst-Case-Szenarien durchspielen.

Und dann, kaum richtig wach, kam auch schon der erste kleine Dämpfer: Flixbus hat einen Teil meiner Reservierung storniert. Bedeutet: Statt zwei reservierten Plätzen hatte ich plötzlich nur noch einen. Super Start. Wirklich. Ich sah mich innerlich schon acht Stunden lang zwischen Rucksack, Ellbogen und schwindender Geduld eingeklemmt.

Am Ende war’s aber halb so wild: Neben mir saß ein nettes Mädel – nur leider ungefähr so gesprächig wie eine Wand. Oder wie Harry Potter(Insider 😉)
Immerhin: Der Bus kam pünktlich. Check-in und Gepäckaufbewahrung liefen am Bus völlig problemlos. Und als wir in Dresden ankamen, passierte etwas Magisches: Der Bus hat sich tatsächlich gut geleert. Plötzlich mehr Platz, weniger Chaos im Kopf – und ich konnte die Stimmung vom „Rückschlag-Modus“ langsam wieder auf „Abenteuer-Modus“ umschalten.

Danach noch zwei Halte – Prag – und dann sollte es durchgehen bis Wien Erdberg, gute 4:15 Stunden am Stück. Und genau in Prag kam dann der absolute Game Changer.

Bei einer Pause stand ich kurz draußen, und ich kam mit einer Dame ins Gespräch. Und wie das manchmal so ist: aus einem „Na, dein Gepäck noch da?“ wurde plötzlich ein richtig gutes Gespräch. Am Ende saßen wir unten im Bus – alleine an einem Tisch, nur noch wir und die Fahrer. Und wir haben tatsächlich bis Prag durchgehend gequatscht über alles Mögliche. Reisepläne, Leben, Serien, Job dies und das – diese Art von Gespräch, die nicht anstrengend ist, sondern irgendwie leicht. So leicht, dass man fast ein bisschen enttäuscht ist, wenn die Zeit schnell rumgeht. Das hat das Geplänkel vom Morgen komplett wettgemacht. Definitiv ein guter Start.

Und nein – keine Kontakte ausgetauscht und so. 😀
Manchmal reicht es einfach, dass sich zwei Wege kurz kreuzen und es genau in dem Moment passt.

Nach über acht Stunden Sitzen rollte ich dann endlich in Wien Erdberg ein – und mein Körper hat mich daran erinnert, dass Beine eigentlich zum Bewegen gedacht sind. Also bin ich von dort noch etwa 45 Minuten zur Unterkunft gelaufen: Superbude Prater, Bezirk 2. Einfach mal die Beine entfalten, den Kopf durchlüften, Wien sozusagen schon im Ankommen spüren. Check-in ging schnell, Zeug ins Zimmer, kurz durchatmen – und dann: Essen.

Und ich habe wirklich ein kleines Juwel gefunden: das Gasthaus Möslinger, ganz in der Nähe. Schön gutbürgerlich, genau das Richtige nach so einem Reisetag. Ich habe mir einen Zwiebelrostbraten gegönnt – und ihn mir mit voller Überzeugung „in die Figur gedrückt“. Wenn man den ganzen Tag sitzt, darf das. Punkt.

Jetzt geht’s gleich ins Bett. Der Anreisetag ist geglückt. Wetter bisher alles okay. Und innerlich bin ich dieses müde-glückliche „Ich bin wirklich da“-Gefühl.

Kleines Schmankerl am Rande (und ich kann’s selbst kaum glauben)

Gestern habe ich noch bemerkt, dass bei meiner Wanderhose an den Reißverschlüssen für die kurze Hose die Nähte aufgegangen sind. Ja. Natürlich. Timing perfekt.
Manche denken sich jetzt bestimmt ihren Kommentar – ich höre euch schon lachen.

Aber: Meine liebe Mutti war so nett und hat die Reißverschlüsse der Hosenbeine wieder festgemacht. Denn die Vorstellung, dass mir beim Wandern irgendwann die Nähte überall aufgehen… sagen wir so: Das Gelächter bestimmter Personen kann ich mir sehr lebhaft vorstellen.

Und als ob das nicht reicht: Als meine Eltern mich zum Bahnhof gebracht haben, wurde dann auch noch entdeckt, dass sich am Po bereits eine Naht löst.
Naja… was soll ich sagen: Abenteuer! Das wird am Sonntag in Ordnung gebracht – zum Glück geht’s ja erst Montag mit der ersten Etappe los.

So startet also mein Weg Richtung Alpen und Nizza:
Mit pünktlichem Bus, einer stummen Sitznachbarin (oder Harry Potter), einem unerwartet genialen Gespräch in Prag, einem Zwiebelrostbraten als Siegesfeier – und einer Hose, die offenbar auch Lust auf Drama hat. (Komme was da wolle!)

Wenn das kein gutes Omen ist, weiß ich auch nicht.