Alpenüberquerung
Wien - Nizza

Stadttag & Kultur in Wien

Heute war so ein Tag, der sich anfühlt wie ein schöner Prolog – die letzte Seite, bevor morgen das eigentliche Buch beginnt. Ich habe herrlich geschlafen, sogar bis pünktlich 7:30 Uhr. Ich hätte ehrlich gesagt gern noch länger im Bett gelegen, aber der Hunger und… na ja… andere menschliche Bedürfnisse hatten andere Pläne. Frühstück gab’s ab 8 Uhr, also Timing: fast schon militärisch perfekt – nur eben mit Rührei statt Marschmusik.

Und was soll ich sagen: Es gab dieses klassische Hotel-Frühstücksbuffet, wie man es kennt – und wie man es liebt, wenn man weiß, dass morgen ein Abenteuer startet. Ich habe mir erstmal einen ganzen Teller Rührei gegönnt, mit ein bisschen Tomate und Paprika. Weight kann schließlich nie schaden. 😀Mein Platz war auf der Terrasse, Sonne im Gesicht, und dieser fantastische Blick über Wien. Da sitzt man dann, kaut Rührei und denkt sich: Okay… das hier ist gerade wirklich mein Leben.

Nach dem Frühstück kam der organisatorische Teil: Stadttourplanung. Julia (Bus-Gamechanger von gestern) hatte mir noch ein paar Tipps gegeben, die ich dann zusammen mit ChatGPT in die Route eingebaut habe. Dann den kleinen Rucksack gepackt – Wasser, Snacks, Regensachen, weil laut Radar sollte es so gegen 14–15 Uhr über Wien „auslösen“. Ich hatte also heute nicht nur Sightseeing vor, sondern auch den Klassiker: „Schaffe ich es vor dem Gewitter?“ Mein Ziel war ambitioniert: Eine große Runde durch ungefähr neun Bezirke, inklusive einer Liste, die sich liest wie „Wien in einem Atemzug“:

Prater/Riesenrad → Praterstraße → Schwedenplatz → Stephansdom → Graben → Hofburg → Oper → Stadtpark → Belvedere → Karlskirche → Freihausviertel → Margaretenplatz → Naschmarkt → MuseumsQuartier → Spittelberg → Josefstadt → Votivkirche → Servitenviertel → Donaukanal

Und es lief richtig gut. Zu gut vielleicht. Nach dem Spittelberg hatte ich schon knapp über 17 km auf der Uhr und wusste: Du musst auch noch zurück. Und morgen ist Tag 1 vom Trail – mach jetzt mal nicht auf Held. Außerdem wurden die dunklen Quellwolken schon ziemlich deutlich. Am Ende waren es 21,3 km – ein halber Wandertag, nur eben in der Stadt. Bilder gibt’s unten in der Galerie (ja, ich weiß: das sagt man so schön im Blog 😄).Und ja: Es war eine sehr gute Idee, immer wieder aufs Regenradar zu schauen. Die letzten fünf Minuten waren so ein klassischer Film-Moment: Ich sehe die Unterkunft, ich höre es schon grollen – und dann wird aus „leicht dramatisch“ direkt „jetzt aber die schnellen Schuhe!“

Donner, ein bisschen Wiener Gewittertheater, und ich natürlich wieder im „nach Hause rennen“-Modus. Immer diese Gerenne vor dem Gewitter! 😀Aber: Ich habe meine Unterkunft timingmäßig perfekt erreicht. Zum zweiten Mal heute. Kaum war ich im Zimmer, peitschte der Regen ans Fenster, Blitz und Donner lieferten die Spezialeffekte – und selbst der nahe Rummel (ja, hier ist wirklich was los) hat eine Pause eingelegt. Wenn sogar das Karussell sagt „nee“, weiß man: Okay, das Wetter meint es ernst.

Wien an sich: wirklich wunderschön. Sehr beeindruckend, sehr ansehenswert – gerade für eine Hauptstadt. Und im Vergleich zum… äh… abgeranzten Berlin (ja, ich sag’s wie’s ist) wirkt Wien fast wie ein gepflegtes Wohnzimmer mit Stuckdecke. 😉

Gleichzeitig war es mir irgendwann auch ein bisschen zu viel: Autos, Stadtlärm, Menschenmassen. Aber was mir auffiel: Man sieht erstaunlich selten wirklich krasse Verwahrlosung oder aggressive Szenen. Hin und wieder ein kleines ACAB an einer Wand oder so. Aber in welcher Stadt gibt es nicht diese künstlerische Zugabe.

Kein Wunder, dass Wien immer wieder als eine Stadt mit sehr hoher Lebensqualität genannt wird.Und trotzdem: Ich freue mich schon auf morgen, wenn ich aus der Stadt rauskomme. Raus aus dem Asphalt, rein in mehr Weite, mehr Ruhe, mehr „Trail“.

Zum Abendbrot ging’s dann zum Italiener – und ich hatte Glück: den letzten freien Tisch drinnen erwischt. Draußen sitzen wäre bei dem Wechsel aus Regen, Regenpause und Gewitter einfach nur „klämmlich nässlich“ gewesen. Essen: gemischter Salat und Spaghetti Carbonara. Überraschend schnell, überraschend lecker. Und wichtig: ORS erreicht. (Für alle, die nicht im Fachbereich unterwegs sind: ORS = Optimale Ranzenspannung. Ein Zustand maximaler Zufriedenheit nach gutem Essen, was der Bauch ideal an Zuspannung zulässt. Wissenschaftlich nicht anerkannt, aber in der Praxis sehr zuverlässig.)

Dann bin ich zwei Minuten zurückgerollt und habe langsam begonnen, den Rucksack zu packen. Und natürlich kam dabei wieder dieses Thema auf… die Hose. Der Rucksack musste nochmal ein- und ausgeräumt werden, um ans Nähzeug zu kommen. Ich werde es lieben lernen. Vor allem des Roimens wegen. 😄

Jetzt ist der Stadttag vorbei. Ich werde noch ein bisschen Musik hören, aus dem Fenster Richtung Gasometer schauen und den Gedanken zulassen, dass morgen wirklich beginnt, wofür ich so lange geplant habe. Und irgendwo in mir geht schon dieses „wohohoho ho…“ 😀