
Diese Nacht habe ich nicht gut geschlafen. Immer wieder mal wach und es war auch relativ warm. Es kam alles irgendwie zusammen. 6.00 Uhr bin ich aufgestanden und habe meine Morgenroutine durchgezogen. Da erst 7.30 Uhr Frühstück gab, nutzte ich noch einmal die Zeit mir die Etappe anzuschauen. Heute stand eine Doppeletappe an, wie gestern bereits angedeutet. Gut 35 km vom Weißensee nach Kötschach mit kalkulierten 9 Stunden Gehzeit. Das Wetter sah auch gut aus und vorallem warm.
7.30 Uhr ging es dann zum Frühstück und es wartete ein reichhaltiges Buffet. Den Bauch gut gefüllt für den Tag, ging es dann gegen 8.15 Uhr auch direkt los. Mein Ziel waren 8 Stunden und schauen wie es an der T3 Schlüsselstelle beim Abstieg aussieht. Immer wieder einen Blick auf den Weißensee werfend, verließ ich das Tal Richtung Weißbriach. Ein Wechsel von Forststraße und Wanderweg brachte mich recht zügig dorthin.
Dann ein kleiner legendären Blick am Gössering. Dort kam ich vor 2 Jahren auf dem Salzburg-Triest-Fernwanderweg entlang. Damit kreuzt meine Wanderung nach Nizza die erste von dreien Nord-Süd-Alpenüberqerungen. Ein echt cooles Gefühl. Von Weißbriach ging es dann stetig bergauf zur Möselalm. Heute war relativ viel Forstweg, den man gut und zügig gehen konnte. Natürlich war es gut warm und ich schwitzte bereits ordentlich. Ab der Möselalm hatte immer schön den Reißkofel im Blick. Immer wieder fasziniert. 😀
Der Weg ging unterhalb an dem Bergmassiv entlang auf der Forststraße. Dann knickte der Weg ab und es kam eine Schlüsselstelle. Es ging auf einmal fast senkrecht in eine kleine Schlucht hinunter. Da musste ich kurz überlegen und schauen ob ich richtig bin. Der Abschnitt hatte keine Schwierigkeitskategoriesierung. Ich hätte auf T3 bis T4 geschätzt. Der Abschnitt war zum Glück nicht lang, aber sehr steil und mit Drahtseilgeländern versichert, um sich zusätzlich festzuhalten. Als ich durch die Schlucht gewesen bin, stand auf der anderen Seite ein Schild, wieces der geneigte Klettersteiggeger kennt: „Nur für Geübte. Sehr steil!“. Mittlerweile zählen ich mich auch zur Kategorie „Geübte“. Wenn da keine Seile gewesen wären, wäre ich drumherum gelaufen und hätte die zusätzlichen Kilometer in Kauf genommen. Aber es hat alles geklappt und weiter ging es.
Später kam ich auf einer Alm mit Pferden an. Da gab es auch eine Quelle. Ich konnte somit meine Wasservorräte auffüllen und habe so noch einen Liter durch den Filter getrunken. Das tat gut und war wichtig, um die Leistung halten zu können. Die Forststraße schlängelte sich dann bis Höhe Jochalm. Doch diese habe ich nicht besucht sondern bin direkt weiter.
Dann kam die besagte T3 Stelle. Ein sehr steiler Abstieg über Stück Wiese und durch den Wald. Ich habe mir das angeschaut und war etwas beruhigt, dass es nicht so krass ausgesetzt war, wie ich erwartet hatte. Es war natürlich sehr steil, doch man hatte gute Tritte und Wurzeln als Stufen. Also bin ich vorsichtig eingetaucht und habe meine Schritte stets mit Bedacht gewählt. Da noch viel altes Laub auf dem Weg lag, musste man entsprechend immer erstmal anfühlen, ob der Tritt gut hält. Die Passage war dann auch mit bravur gemeistert und ich gabe gut Höhenmeter abgebaut und viel Umweg gespart. Bei Nässe wäre ich definitiv nicht gegangen. Das wäre lebensgefährlich gewesen.
Danach war der Weg wieder Forststraße und problemlos begehbar. Auf solchen Strecken mache ich meistens gut Meter. Im Tal nach Grafendorf wechselte der Weg auf einen Deich neben der Gail. Knapp 8 Kilometer bis Kötschach. Blöd nur, keine Bäume. Ich fühlte mich aber gut und lief weiter. Man konnte nach vorn und nach hinten schauen. Endlose Weite und so gut wie keine Menschen und keine Mücken oder Bremsen. Vor 2 Jahren bei Salzburg-Triest lief ich schon einmal diesen Deich, aber hinten bei Hermagor (knapp 25 km entfernt gegen die Laufrichtung). Das war schrecklich. Man wurde von den Mücken und Bremsen förmlich gejagt. Dieses Mal nicht! 😀
Der Blick vom Tal die Berge links und rechts hinauf ist echt gigantisch. Man kommt sich so klein vor. Doch der eher langweilige Weg hatte mich dann dazu gebracht, dass erste mal Musik auf einer Etappe anzumachen, weil es mir dann doch zu Still II war und ich etwas Ablenkung brauchte. Da eh keiner dort war aber ich myit gesungen und die Stöcke waren Gitarre oder Schlagzeug. 😀 (wie üblich).
Die 8 Kilometer haben sich schon ordentlich gezogen wie ein Kaugummi. Aber dann war ich fast da. Kurz vorm Ziel bin ich dann mit dem Arm an so einem Busch von einem Grundstück hängengeblieben und war dann leicht blutig. Bei dem ganzen Schweiß hat das ordentlich gefeuert. Ich habe quasi wieder mal gekocht. Äußerlich und Innerlich. 400m vorm Ziel so ein Rotz. Aber noch durchgezogen und die Unterkunft erreicht nach knapp 7,5 Stunden. Knapp 1,5 Stunden das kalkulierte Ziel unterboten. Dennoch war die Etappe sehr schön, um wieder abseits der Strecke über verschiedene Themen nachdenken zu können.
Ich habe schnell den Schlüssel bekommen und konnte mich erstmal frisch machen. Schön kalt geduscht und die Klamotten durchgewaschen. Bei der Wärme waren die heute Abend wieder trocken. Noch fix zum Billa Abendbrot und natürlich ein Eis geholt und dann zurück ins kühle Zimmer. Den Körper wieder ordentlich hydriert und gedehnt, damit es morgen auch wieder gut läuft, ohne schwere Beine. Doch man merkt, dass das Fitnesslevel steigt. Selbst meine Garmin-Uhr sagt, dass mein Level auf dem von einem 32 Jährigen liegt. Ist nur die Frage, wie der halt aussieht. 😀
Damit geht der Tag heute zu Ende und ich fühle, wie mein Körper noch ordentlich glüht. Morgen geht es wieder in die Berge, wo es kühler wird.













































