Alpenüberquerung
Wien - Nizza

12. Etappe: Radmer an der Stube – Heßhütte

Die Nacht war etwas durchwachsen, hinsichtlich durchschlafen. Zum einen habe ich scheinbar zu viel getrunken, 0,5 Liter Wasser und 1 Liter Mezzomix. Aber tagsüber dafür nichts. Im Anbetracht des scheiss Wetters und dem häufigen Regen, trinkt mein Körper offensichtlich jetzt schon über die Haut den Regen weg. 😀 Da kann man nur sparen. Blöd nur, wenn man dann 2 Mal die Nacht auf Toilette muss. Wenn mir jetzt einer hier irgendwas mit Kürbiskern kommt, dem mögen beim Hände waschen die Ärmel runterrutschen.

Ich war aber auch etwas getrieben von der anstehenden Etappe. Gestern habe ich mir diese noch sehr detailliert angeschaut, gerade in Hinblick auf Wetter und Schwierigkeitsgrad. Zu Beginn gleich 2,5 Stunden im T3 (Definition T3 siehe gestern). Aber wenn es dann dolle regnet und windet, kann das auch nach hintenlos gehen. Sowohl, als auch. 😀 Also hatte ich mich gestern noch eine entschärfte Route zusammengestellt, die einen deutlich kleiner T3 Bereich hatte. Dafür etwas länger, mehr Höhenmeter, aber sicherer. In der Nacht habe ich auch häufig an die Tour gedacht und überlegt bzw. 1-2 Exit-Strategien, falls es am Trail eskaliert. Da es gestern seit meiner Ankunft in Radmar durchgehend geregnet hat, waren natürlich die Fluss- und Bachläufe etwas voller, aber nichts dramatisches, wie vergleichsweise vor ein paar Jahren im Piemont. Im übrigen geht meine Route im späteren Verlauf genau dadurch! 😀.

Irgendwann war es dann 6.45 Uhr und bin aufgestanden und habe mich fertig gemacht und gepackt. 7.30 Uhr gab es dann ein üppiges Frühstück und ein besonderer Gast tippelte in die Gaststube. Nun ist er eben hier. 😀 Ich habe mich etwas beeilt mit dem Essen, da ich gern pünktlich los wollte und um im Ernstfall keine Probleme zu bekommen. Die Tour war für reine Gehzeit mit knapp 6,5 Stunden berechnet. Ohne Pausen usw. Also kann das bei den Bedingungen auch gern 8 Stunden werden. Ihr merkt schon an meinen ausschweifenden Ausführungen, dass ich heute großen Respekt an den Trail und die Natur habe.Nach dem Frühstück ging es los kurz vor 8.30 Uhr. Noch fix das Zimmer bezahlt. Regensachen, Gamaschen und Schirm war die Devise. Also Feuer frei und Kopfsprung ins kühle Nass. Man konnte richtig die Wellen auf der Straße sehen, wie sie den Weg auf der Straße talwärts strömten. Der erste kleine Checkpoint war die Wallfahrtskirche, wo ich gestern schon war und ab da nahm das Schicksal seinen Lauf. Natürlich war auch auf der Alternativroute zu Beginn ein 2,5 Stunden Aufstieg, aber nur im T1 und T2 Bereich. Aber halt steil und viel Grünes links und rechts des Pfades. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Schwämme am Schuh wieder prall gefühlt waren und die Füße ihren eigenen Pool hatten. Irgendwann hat man es akzeptiert und konnte es eh nicht verhindern.

Ich arbeitete mich gut Meter um Meter nach oben, bis dann irgendwann der Lugauer Bergfuß vor mir sichtbar wurde. Ich hatte schon Bammel, dass ich da oben irgendwo lang muss. Es wurde zunehmend steiler, mehr feiner Schotter, deutlich windiger und der Regen.. ja, der Regen weiß seinen Platz, wo er hingehört – ins Gesicht.

Ich musste nicht oben entlang, sondern am Fuße unten entlang, durch die verschiedenen Rinnen usw. Der Trail an sich, erinnerte mich stark an die erste Etappe des Dolomitenhöhenweg 1 vom Pragsser Wildsee beginnend und gleich ein steiles Schotterfeld hoch mit verschiedenen Querungen. Genau das war hier auch, nur mit der Machtdemonstration der Natur. Mein Schirm war tatsächlich gut am Limit und hat ganz saubere Arbeit geleistet. Ich lief ca. 1 Stunde im T3 Bereich am Fuße des Lugauers entlang. Zugegeben, das war schon heftiger Scheiss hier und nicht jedermanns Geschmack. Der Regen peitschte quasi waagerecht unterhalb der Wand entlang und ich illerte immer kurz hinterm Schirm vor, wo der Weg weitergeht. Versteigern wäre hier fatal gewesen.

Ich hatte 3 Kreuze gemacht, als die Passage endlich geschafft war. Das hatte gut Körner gekostet. Keine Frage. Es folgte dann ein einfacher Abstieg zu einer Forststraße und die Sonne kam durch. Das habe ich gleich dazu genutzt ein Päuschen zu machen, etwas zu essen und trockene Sachen anzuziehen und die Socken mal auszufringen. Durch den Aufstieg war natürlich das Shirt nass geschwitzt. Ein frisches anzuziehen tat echt gut. Für den Abstieg hatte ich mich etwas wärmer angezogen, um wieder warm zu werden, nach der Schelte der Natur. Es folgte dann ein sehr einfacher und gemütlicher Abstieg durch mäßig steiles Gelände und Forststraßen. Es kam immer wieder die Sonne zwischen den Wolken durch und man durfte ein paar Fernblicke erhaschen. Ich genoss gerade die Einfachheit des Trails unter anderem auch aktive Regeneration bis zum Wiederanstieg an der Biertankstelle. Als ich dort ankam, zog ich Jacke und langes Shirt aus und zog das kurze, nasse Shirt wieder an, um nicht alles vollzusauen. Das ist einen Moment etwas frisch und eisig, aber wie schnell das wieder mit warmem Schweiß getränkt war, so schnell konnte man gar nicht anfrieren. 😀

Der Weg schlängte sich nun eine Forststraße gen Heßhütte entgegen. Ich hatte einen guten Rhythmus beim Laufen und machte gut Meter. Dann ging es Richtung Talschluss an einer Alm mit Kühen vorbei. Dieses Mal war es etwas anders als sonst. Die guckten mich an, fraßen und gut war. Als ich an der Herde vorbei und eigentlich gut entfernt war, bimmelte es die ganze Zeit hinter mir. Es folgte mir eine Kuh auf dem Weg, bis sie muhte und ihre “Brüder” dazu geholt hat. Ein Hauch aktuelles Großstadtbild. 😀

Ich vermute, sie lief nur zufällig den selben Weg, da die Weidefläche riesig war. Sieht man von oben ganz gut in der Bildergalerie. Angst hatte ich keine, da der Abstand groß genug war und eigentlich jeder seines Weges ging. Als ich den Talschluss erreichte war da einfach nur eine steile Wand, wo ich hoch musste.Jetzt kam noch einmal der sogenannte Wadenbeißer am Rotofen mit bis zu 38% Anstieg. So als kleines Finale zum auskotzen. Die Stöcke waren heute den ganzen Tag am Rucksack. Der Schirm in der Hand hat es auch getan. 😀 Alles schön aus den Beinen. Geht ja jetzt besser mit 8-9 kg weniger Gewicht im Rucksack. Etwas Training braucht es trotzdem. Da kommt man nicht aus der Haut. Also noch die letzten Konditionspenunzen rausgeholt. Aber nicht bis zur Kotzgrenze.. Dadurch, dass…. 😀

Ich bin relativ langsam Meter für Meter nach oben gestiegen, um meinen Rhythmus zu halten oder nicht zu overpasen. Endlich die Wand erklommen und der Wind pfiff ordentlich ins Korsett rein. Alles schnell zugemacht, um nicht auszukühlen. Der letzte Kilometer war Formsache im minimalen Abstieg bis zur Hütte. Geschafft. Ich schaue auf die Uhr kurz nach 15.00 Uhr. Tatsächlich die reine Gehzeit der Berechnung auf den Punkt getroffen, trotz Pausen und Spirenzien. Das tägliche Floorball-Training die letzte Jahre müssen sich ja auch mal auszahlen. Da kommt es einfach aus mir raus und ich laufe einfach durch. 😀

Nach der Etappe heute war ich echt froh, angekommen zu sein. Eingecheckt, 4-Bettzimmer bezogen, gewaschen und Ausrüstung sauber gemacht und aufgehängt. Ab da hieß es entspannt chillen und schreiben. Da hier kein Empfang ist, hatte ich viel Zeit. Gemütlich an den Kamin gesetzt und los ging es.Abendbrot gab es dann gg. 18 Uhr. Ich hatte Halbpension gebucht und ließ mich überraschen, was es gab. Slowenien-Vibes… Grüne Bohnen als Vorspreise und Trommelwirbel: Gulasch mit Spätzle. Daran werde ich mich auf der Tour sicher gewöhnrn müssen. Aber lecker war es trotzdem, doch die Portionsgröße hätte gern ein Tick fülliger sein können. Als Nachspeise gab es dann noch ein Stück Cheese-Cake. Ich habe mir dann noch paar Erdnüsse gegönnt, damit ich genug Kalorien und Ballastoffe für morgen habe.

Kraftlosigkeit beim Wandern ist nicht toll. Bei Salzburg-Triest in Slowenien von der Dom Dolicu zur Dom na Komni gab es zum Frühstück 2 Scheiben Weißbrot, bissl Wurst und ein Spiegelei. Nach nicht mal einer Stunde kam schon der Hunger und im Laufe der Etappe hat man richtig gemerkt, wie der Körper ausgelutscht war und es einfach nur zäh wurde zum Ende der Etappe.

Vorher ging es noch einmal raus in den herrlichen Sonnenschein. Hätte es nicht den ganzen Tag so sein können. Erstmal noch Zeug zum trocknen rausgegangen, da der Trockenraum leider nicht beheizt ist und die Schuhe einigermaßen trocken sind für den morgigen Tag. Nach dem Essen ging ich nochmal kurz raus. Auf Smalltalk in der Gaststube hatte ich heute nicht so richtig. Ich will lieber für mich mit meinen Gedanken sein. Gibt ja viele Baustellen, über die man so nachgrübeln kann. Hauptsache nicht im Schlaf. 😀