Alpenüberquerung
Wien - Nizza

49.Etappe: Rifugio Bioso Galli – Serone

Die Nacht habe ich ganz gut geschlafen vom Gefühl her, doch mein Fitnesstracker signalisierte: „Hast du ’ne Macke oder was?“ Ich konnts noch nicht nachvollziehen. Ich war mit 2 Italienern aus Milano im Zimmer. Wir unterhielten uns gestern Abend noch anregt. Die Runde wurde noch von einem Schweizer Pärchen ergänzt. Am Abend vorher hatten wir noch geklärt, dass es ok, wenn wer wach ist wegen packen usw. Ich war gegen 6.15 Uhr der erste und konnte gemütlich durchs Bad. Im Haus gab es nur eine normale Toilette, sonst noch 2 „Flachkannen“. 😀 Ich ließ mir Zeit und als ich wieder kam waren auch beide wach, sodass ich nahtlos ins Packen übergehen konnte. Pünktlich 7 Uhr ging es zum Frühstück. Die anderen folgten dann kürzlich.

Es gab typisch italienisches Hüttenfrühstück, doch es genügte glücklicherweise, um satt werden. Das war ok. Danach machte ich mich fertig und lief bei herrlichem Wetter los. Sonne, paar Wolken und etwas Wind zur Kühlung. 7.50 Uhr stieg ich in die Etappe nach Serone ein. Heute sollte es sehr besonders werden und sein. Knapp 30 km Strecke, 1050 hm rauf und 2420 hm ab UND heute habe ich die 1000 km Marke überschritten. Jetzt sind es nur noch 800 km. 😅

Zu Beginn ging es gleich knackig bergan zum Passo Caldenno auf 2517. Da merkte ich schon, was mir mein Fitnesstracker heute morgen sagte. Das wird heute brutal werden. Direkt an ersten Aufstieg war es zäh. Shit, denn es folgte unmittelbarer ein noch steiler Aufstieg zum Passo Scermedone, der mir eigentlich schon alle Körner genommen hatte. Ich wusste, dass es ab da dann überwiegend im Abstieg ist. Ich machte eretmal eine Pause und genoss etwas den Ausblick, der durch den starken Dunst doch sehr eingeschränkt war. Was die Wegführung von dort nach unten anbelangt, weiß ich nicht, ob die beim Markieren besoffen waren. Es ging die ganze Zeit von links nach rechts, warum auch immer.

Dann erreichte ich das Biwak, was ursprünglich das Etappenziel der gestrigen war. Wenn ich das so gemacht, ich wäre dort nicht angekommen, weil es einfach zu hart gewesen wäre. Zum Glück hatte ich das umdisponiert. Das wäre in der Tat typische Selbstüberschätzung gewesen. Daher alles richtig gemacht. Ab dem Biwak folgte ich dann irgendwie einem kleinen, kaum begangenen Pfad, der ab und an mal eine Makierung zeigte, oder man musste sich durch eine hochgewachsene Wiese kämpfen, ohne Sicht, wo man sich gefragt hat: „Hä, ich läuft doch kein Mensch lang?“ Das steigerte sich dann soweit, dass ich kreuz versucht hatte mit dem GPS annähernd auf dem Weg zu bleiben, auch wenn keiner zu sehen sah. Das strengte natürlich auch ordentlich an, was auch Zeit kostete und ich so nicht im Energiemanagement geplant hatte.

Der Mist zog sich eine Weile, bis ich in einem Brennesselfeld stand und mal kurz ausrasten musste, was denn diese Scheisse soll. 😂 Sollen die anderen doch alleine dort langgehen. Irgendwann lief ich querfeldein und kam wieder auf einen makierten Weg. Und da hatte ich noch 18 km auf der Uhr. Es folgte dann ein Straßenabschnitt bis hinab nach Cataeggio. Da konnte man im Abstieg etwas Kraft sammeln. Natürlich wurde es auch wärmer, was es ungleich leichter machte. Im Ort ließ ich an einer Quelle erst einmal 1 Liter Wasser rein. Das tat gut und ich ging weiter. Ursprünglich dachte, die letzten 10 km werden easy „Speck Kilometer“. Doch da hatte ich mich dezent getäuscht. Bei Komoot sollte ein einfacher T1 Wanderweg sein, aber was dort war, war einfach nur locker T3. Der Weg teilweise keine 30 cm breit, gar nicht markiert und man irrte teilweise im Dikischt umher. Ab Cornolo wusste ich nicht einmal, ob das überhaupt ein Weg ist, so abgeranzt war der. Das kostete noch einmal unheimlich viel Kraft, die mir auch langsam ausging. Ich musste immer häufiger Pausen einlegen und als ich das Stück endlich hinter mir hatte und in Cevo ankam, musste legte ich mir einen anderen  Plan fest. Eigentlich sollte ich ein Stück Straße laufen und dann noch einmal so einen Weg, wie dieser. Das hätte ich nicht geschafft. Daher blieb ich auf der Straße und lief auf dieser bis Serone durch. Aber ab Cevo bin ich durch eine Baustellensperrung gegangen, was bedeutete, dass der Weg eigentlich zu war. Es war mir egal. Also über die Absperrung und schnell weg. Als ich dann am nächsten Ort ankam wo die Sperrung endete, standen Einwohner rum, und haben sich null dran gestört, dass ich da kam und an der Absperrung vorbei. Freundlich gegrüßt und ab dafür.

Als ich an der Gabelung mir den ursprünglichen Weg mal angeschaut hatte, sagte ich mir auch nur… „Ähm, nö! Auf keinen Fall!!!“ So 30 Minuten bevor ich in Serone ankam, sollte ich Paolo kontaktieren, damit er mich in Empfang nehmen kann an der Unterkunft. Kurz vor der Unterkunft fing er mich bereits mit dem Auto ab und wir gingen gemeinsam hinein. Ein absolut tolles Haus in einer tollen Lage. Agriturismo da Ysy heißt es und ist absolut empfehlenswert, auch wenn man nicht auf der Durchreise ist. Paolo zeigte mir alles und erklärte paar Sachen und er spendierte eine Runde selbst gemachtes Eis. Das hob ich mir für später auf, da die Unterkunft über eine Gemeinschaftsküche verfügt, in der es an nix fehlte. Als ich im Zimmer war, musste ich mich ersteinmal setzen. Ich war kastenalle von der Etappe. Selbst das Duschen und Klamotten waschen viel schwer. Nach danach bin ich fix nebenan zum Dorfladen Abendbrot holen. Pasta mit Bolognese.

Als ich so anfing mit kochen kam so eine ältere Omi (Auch Gast des Hauses) und wir kamen kurz ins Gespräch. Sie schaute mein Essen an und war überrascht, dass das nur für mich ist (halbe Nudelpackung und Topf voller Soße(. War es aber! Der Tank war leer, da ich tagsüber nicht soviel esse. Aber 8:18 Stunden fast durchlaufen mit paar Minipausen, da ist der Akku halt leer, irgendwann. Als es fertig war, setzte ich mich raus und genoss das Essen und die Aussicht. Es war traumhaft! Die Omi meinte später, die kommt jedes Jahr für einen Monat hierher, weil es ihr so gefällt. Absolut nachvollziehbar. Nach dem Essen noch alles sauber gemacht und dann ins Zimmer und Zeug gepackt. Dann noch etwas chillen und die Edelfans bespaßen.  😅

Heute war definitiv mit einer der härtesten Etappen muss ich sagen. Der Trail hat mich geknackt, mit der Planänderung. Er hat viel Physis und Willensstärke abverlangt. Mal schauen, was der Körper morgen sagt. Am Comosee bleibe ich 2 Tage, um im Tal zu regenerieren. Ich habe festgestellt, dass ich doch leichte Probleme mit größeren Höhen habe. Gerade nachts. Mal schauen, ob mein Plan aufgeht. Morgen ist es etwas entspannter.