
Diese Nacht habe ich etwas unruhig geschlafen, eventuell wegen dem späten Abendessen oder zu warm. Als ich früh meine Biometriewerte aus der Nacht anschaute, dachte ich, wie soll ich denn heute ankommen. Schlafscore, Atemfrequenz und Herzfrequenzvariabilität waren irgendwie außerhalb des üblichen Rahmens. Aber unfit fühlte ich mich eigentlich nicht. Nur etwas Kopfschmerz gehabt, aber nicht doll oder so. Vielleicht hatte der Körper doch Probleme mit der Höhe. Wer weiß. Jedenfalls war ich gegen 6.15 Uhr munter und ging bereits durchs Bad, bevor der Rest im Haus aufwacht. Ich legte mich danach noch kurz ins Bett und wartete bis dann gegen 6.45 Uhr die anderen 2 wach waren und ich mit packen beginnen konnte. Dauert ja nicht lang, da ich hier gute Routine mittlerweile habe.
Pünktlich 7 Uhr bin ich dann runter zum Frühstück. Naja, italienisches Hüttenfrühstück halt. Da darf man nicht zu hohe Ansprüche haben. Ich habe mich gestärkt so gut es ging und bin dann kurz nach 7.30 Uhr los. Es war herrliches Wetter. Blauer Himmel, keine Wolken, leichter Wind und gute Temperaturen zum Laufen. Das große Fragezeichen nach gestern, was macht Woody, der Körper heute. Gerade heute bei so einer anspruchsvollen Tour mit 21 km, 1480 hm Aufstieg und 1630 hm Abstieg bei kalkulierten 7:45 Stunden. Falls es nicht gegangen wäre, wäre die Exit-Strategie gewesen nach dem Abstieg nach Torre di Santa Maria nicht den Aufstieg zum Rifugio Bosio Galli zu machen, sondern mit dem Bus nach Sondrino auszuweichen und mir dort dann eine Platte machen wie es weiter geht.
Ich starte gut, nichts tat weh oder fühlte sich müde bzw. zäh an. Schon mal ein gutes Zeichen. Bis zum Piazzo Cavalli ging es kontinuierlich bergab, mit immer paar kleinen Anstiegen, die keine Probleme machten. Soweit so gut und ich verdrängte die Formschwäche allmählich. Selbstsicherheit machte sich breit und die Zuversicht heute auch zum Etappenziel zu gelangen. Nach dem Piazzo Cavalli ging es steil bergab, auf so alten Pfaden, die dort die alten Häuser miteinander verbunden haben. Die alten und verlassenen Häuser sahen echt krass aus, vorallem wie sich die Natur den Raum wiedergeholt hat. Sehr beeindruckt. Wenn man da früh zum Brötchen holen absteigen musste, durfte man schon mitten in der Nacht absteigen. 😀 Auch wenn es steil war, war der Weg gut begehbar und die Knie machten auch keine Zicken. Und man lief fast nur im Schatten. Das war echt gut, da die Sonne doch gut runterbrannte. Unten im Tal angekommen gegen 11 Uhr, gönnte ich mir eine kleine Pause zur Stärkung mit paar Riegeln und Wasser. Als ich dann gemerkt habe, heute läuft es wieder, ging es rein in die Anstieg. Knapp 8 km heftig, deftiger Anstieg mit ordentlich Wadenbeißern drin. Doch so wie ich loslief um die Ecke, war ein kleiner Einkaufsladen. Natürlich ließ ich den nicht aus und holte mir paar Snacks (2 kleine Tüten Haribo und eine Rittersport) und eine Limonade. Die Limo trank ich gleich und dann kam auch schon der Einstieg zum Rifugio Bosio Galli. Ich war etwas irritiert, dass da auch einmal 6,5 Stunden Gehzeit dran standen. Ich dachte mir so: “Hä? 6,5 Stunden? Da bist du erst 18 Uhr am Rifugio. Weil laut komoot wären es ca. 2,5 Stunden. Naja, egal. Hinein!”
Es ging echt gut steil hoch, aber ich spürte keine Probleme, die ich gestern hatte. Der Weg war auch so ein Pfad wie beim Abstieg in das Tal. Die sind immer gut mit Steinen gepflastert, sodass man mit guter Technik, kraftsparend aufsteigen kann. Nach gut einer Stunde, kam ich wieder an so eine verlassen Alpe mit einer Quelle. Da machte ich wieder kurz Pause und füllte mir wieder 1 Liter in den Tank, da ich echt gut geschwitzt hatte bis nachhin. Kurz nach der Pause, kam auch Licht ins Dunkle, was die Zeiten auf den Schildern und Komoot anging. Hier gabelte sich der Weg, in eine leichte Variante mit 4,5 Stunden und einer schweren mit knapp 2 Stunden.
Komoot nahm mir die Entscheidung – natürlich schwer! Wie soll es auch anders sein. Also rein ins Dikischt. Man hatte zu tun den Weg in der Wiese immer zu finden, bis die Spur glücklicherweise deutlich wurde mit angenehmen Brennnesseln am Wegesrand. Die erquickten meine Beine, ein ums andere Mal. Dann kamen 2 echt brutal steile Anstiege auf normalem Weg, wo man keine Tritte hat, um es sich einfacher zu machen. Man musste alles aus den Beinen rausdrücken. Zugegeben. Die 2 Passagen waren echt hart und ich musste auch das Tempo anpassen, um nicht die letzten Körner rauszuhauen. So schob ich mich Meter um Meter nach oben, bis dann endlich eine Forststraße kam, die dann ganz entspannt bis zum Rifugio verlief. Leicht ansteigend, aber nicht der Rede wert. Ich machte so knapp 2 km vorher noch einer Quelle Rast und gönnte mir noch einen gefilterten Liter. Das fliegende Getier lebte sich an meinem Schweiß. Ein Schmetterling machte es sich auf meiner Hand bequem und ich beobachte ihn, wie er reichlich vom Schweißbuffet naschte. 😂
Ich machte mich dann auf und kam so gegen 14.15 Uhr an. Ich meldete mich an und mir wurde mein Zimmer gezeigt. Später sollten noch 2 Gäste dazu kommen. Das ist ein 6 Bettenzimmer mit 2 Dreistock-Betten. Das kannte ich bisher nur von der Puezhütte, wo wir damals nicht geschlafen haben, weil die Hütte voll war und wir im Zelt irgendwo hinter der Hütte unsere Stadt errichtet haben. 😄 Der frühe Vogel kriegt das Bett unten. Das ist tatsächlich der Vorteil, wenn man etwas zeitigen da ist, dass man sich in so einem Lager noch sein Bett rausrücken kann.
Ich ging als erstes Duschen. Ich hatte die halbe Wiese und den halben Wald am Körper. Das tat sehr gut. Dann hieß es Wäsche waschen, da ich gestern nicht gewaschen habe, da dort keine Möglichkeit zum sinnvollen Aufhängen war. Hier gab es eine Wäscheleine, die in der Sonne und dem Wind hing. Perfekt, dass die Klamotten zum Abend hin wieder trocken sind für morgen. Dann ein kleiner Dämpfer. Kein Empfang und das WLAN ging leider auch nicht. Das scheint hier Zeit abhängig so sein. Meine Hoffnung war, dass es wenigstens zum Abend geht, da mit ich die Unterkünfte für die nächsten Tage buchen kann. Ich hätte das vielleicht schon im Tal machen sollen. Naja, egal. Da ich gestern gefühlt von allen Unterkünften auf den nächsten 2 Etappen die Auslastung kenne, weiß ich auch so, wo ich morgen hingehen kann. Ich war aber zuversichtlich, dass das abends klappt. Ich habe einen guten Draht zum Hüttenwirt, da er schon wusste, wer ich war, als ich ankam. Ich habe versucht mein Pseudo-Italienisch zu präsentieren, worüber er sich aber freute, dass ich es probierte. Aber letztlich sind wir doch auf Englisch gewechselt.
Ich setzte mich dann raus in einen gemütlichen Strandstuhl und begann bereits die bisherigen Tageserlebnisse zu dokumentieren. Zum späten Nachmittag hin bewölkte es immer mehr und die Sonne verschwand irgendwann. Aber es war auch sehr angenehm, einfach mal da zusetzen und die Gedanken schweifen zu lassen, während man den Klängen der Natur lauschte. Hier gab es auch eine kleine, niedliche Hauskatze. Ein süßes und verspielten Jungtier, dass neugierig die Umgebung erkundete und natürlich zu Unterhaltung der Gäste beitrug.
Später kam eine ganze Gruppe Kinder in die Hütte und das mit Jugendherberge irgendwie verwechselten. Den Aufsichtspersonen war das offensichtlich egal, dass die die halbe Bude auseinander nehmen. Die Verführung ist groß sich den Wecker auf gainzliche 2.45 Uhr zu stellen. 😂 Ich bin dann raus gegangen und habe in meinem Buch zum GTA gelesen, was mich dann im Detail so erwartet.
Dann viel mir ein, dass ich am Rucksack noch etwas verbessern wollte. Im Moment habe ich zwei Hüftpolster am Rücken übereinander, wo sich die Halterung aber etwas ausgedehnt hat und dadurch beim Aufsetzen des Rucksacks immer nach oben verschieben. Ich habe die jetzt mit den Schnürsenkeln meiner altern Schuhe zusammen gebunden, dass die über einander bleiben und das zweite auch nicht immer runterrutscht. Vom ersten Test her fühlte es sich gut an. Mal schauen, was morgen beim Dauertest draus wird. Und ob es hält. Das nächste Problem was auftauchen wird/kann, dass ich nicht noch dünner werden darf, da ich sonst das Tragesystem nicht mehr auf die Hüfte geschnallt bekomme. Ich rutsche dann quasi durch, da die Schnallen bereits am Anschlag sind. Durch die Fixierung der Polster hoffe ich, dass ich so noch 2-3 cm gewinnen kann, da ich dadurch “dicker” werde, wenn es nicht verrutscht. 😀
19 Uhr gab es dann Abendbrot und ich hatte echt Kohldampf. Kurz vorher fragte ich einen Gast nach WiFi und er gab mir das Passwort. So konnte ich nun doch einen Beitrag veröffentlichen. Wir quasselten noch etwas und dann gabs Essen. Beim Buchlesen vorhin wanderte schon die Rittersport in meinen Schacht. Es gab zu Beginn des Abendbrots eine sehr leckere Geräupschensuppe mit Linsen und Bohnen. Gefolgt von Schweinemedaillons mit Polenta, nebst Salal, Käse, und zwei kleine Kekse als Dessert. Es war sehr lecker und ich gut satt. Während des Essens plante ich die nächsten Etappen und Unterkunfte. Danach war ich echt müde. Ich trank mein Wasser aus und bewegte mich Richtung Zimmer. 7 Uhr Frühstück ist morgen bei mir geplant.



























