Alpenüberquerung
Wien - Nizza

Exkurs: Stilfser Joch – Vintl

Ihr werdet euch sicherlich fragen, warum Vintl? Das ist doch zwischen Brixen und Brunneck! Warum setzt der zurück? Ganz einfach. Weil ich es will! Nun aber von Anfang an, wieso, weshalb, warum, ist der Peer so dumm?

Wie ich ja immer mal vor paar Wochen und Tagen angedeutet hatte, laufen ja die anderen Gipfelstürmer (Daggy, Nicole, Toni) aktuell von München nach Venedig und am Samstag den 18.07. stößt noch die Edelfan Famile Gerth dazu, um das 10 jährige Jubiläum unserer gemeinsamen Tour von 2016 zu begehen und zu zelebrieren auf der Kreuzwiesenalm bzw. auf den nächsten beiden Hütten.

Während meiner Tour habe ich lange hin und her überlegt, fahre ich zurück dort hin oder ist der Aufwand zu riesig mit der Fahrerei und Unterkünfte organisieren usw. Das waren teilweise immer die Gedankengänge, die mich hin und wieder auf meinem Trail beschäftigten, wie ich geschrieben hatte. Und nach reichlicher Überlegung und Selbstreflexion bin ich zu dem Entschluss gekommen, ich komme auch und überrasche die anderen.

Die Beweggründe dafür sind tatsächlich vielschichtig. 2016 sind damals Sebastian, Veronika, Katja und ich in München gestartet, zu einem bis dahin größtem Abenteuer, was ich je erlebt hatte. 4-5 Wochen einfach von zu Hause weg. Nur aus dem Rucksack, Beuteln und Tüten leben. Und wir haben damals auf der Tour so viele tolle Bekanntschaften und ganze wundervolle Freundschaften geschlossen mit Nicole, Daggy und Toni, die wir auch unterwegs irgendwann besser kennengelernt hatten. Und diese Freundschaften jähren sich nun auch zum 10 Male. Ich freue mich so sehr auf alle. Natürlich auch ganz doll auf die Juniors Paul, Noah und Lina! 🥰

Und diese Alpenüberquerung damals war so einprägsam und unvergesslich, dass ich es so sehr bereuen würde, wenn ich nicht zu diesem Treffen erscheinen würde. In der Vergangenheit habe ich auch durch meinen Sport immer mal zu den Gipfelstürmertreffen gefehlt und es wird Zeit einfach auch etwas zurück zugeben von Minusstunden. Man lebt nur einmal und man sieht sich auch nicht so oft. Und ich denke, die nächsten Tage werden genauso unvergesslich wie 2016. Davon bin ich absolut überzeugt. Mit 2016 begann auch die Begeisterung für das Fernwandern, denn danach folgten noch Salzburg-Triest (2024), Bodensee-Gardasee (2025) und Dolomitenhöhenweg 1 (2025) mit Martin. Und unzählige Stunden auf Youtube, um Leuten beim Wandern zuzusehen, entweder auf diesen Trails oder auch anderen bekannten Fernwanderwegen wie Pacific Crest Trail, Apalachian Trail usw. usw. Und wenn ich die bisherigen Alpenüberquerungen priorisieren müsste, war München-Venedig bisher die klare Nummer 1 und das mit Abstand.

Den Entschluss hatte ich vor gut 2-3 Wochen getroffen und angefangen mit organisieren der Unterkünfte und Etappen auf meinem und dem anderen Trail, um möglichst einen guten Aus- und Wiedereinstieg am Trail zu haben. Daher war es für mich auch wichtig gewesen, vorgestern unbedingt irgendwie noch am Stilfser Joch oben anzukommen, damit ich nächste Woche wieder dort weitermachen kann, ohne eine Etappe davor oder danach mit „Altlasten-Kilometern“ behängen zu müssen. Deswegen bin ich dann ab Meran etwas mit angezogener Handbremse gelaufen, was die Strecken betraf. Im Nachgang betrachtet, fand ich das auch nicht so verkehrt, weil es während der Tage dort auch echt mega warm war und ich nicht wirklich weit oben auf dem Berg war und man merkte schon, wie die Wärme einen auslaugte.

Ab dem Zeitpunkt des Entschlusses fiel mir auch irgendwie ein kleines Belastpäckchen von den Schultern und die Unentschlossenheit wandelte sich in Vorfreude und diese bekannte Kribbeln um. Und damit wusste ich auch für mich, diese Entscheidung ist genauso richtig! Die Wochen und Tage vergingen und nun hieß es am Stilfser Joch… ab nach Vintl und Daggy, Nicole und Toni dort auf der Etappe von Pfunders zur Kreuzwiesenalm in Vintl unten abzufangen am Samstag.

Heute ist zwar erst Donnerstag, doch ich wollte in Ruhe den Weg dort hin bestreiten und gleich noch eine kurze Pause einlegen, in meinem geliebten Südtirol. Das gute war auch, dass ich vom Stilfser Joch (Südtirol) nach Vintl (Südtirol) mit einer Tageskarte südtirolmobil für 22 Euro ganz entspannt rüberfahren kann. Und wenn ein Anschluss nicht klappt, nimmt man den nächsten Zug, ohne irgendwelche Probleme. Damit wäre die kleine Vorgeschichte auch erzählt. 😀

Die Nacht an sich hatte ich gut geschlafen, aber irgendwie war ich schon kurz nach 5 Uhr wach. Frühstück aber erst ab 7.00 Uhr und der Bus ab 9.10 Uhr. Das waren die Zeitpunkte heute morgen. Ich versuchte noch einmal einzuschlafen, aber keine Chance. Ich rollerte wie ein Broiler auf der Stange umher. Also ging ich in die Morgenroutine über und machte mich soweit fertig. Mein Südtirolmobil-Ticket habe ich schon gekauft und noch einmal die Verbindung gecheckt. Die Etappen waren mit dem Bus 270 vom Stilfser Joch nach Stilfs Dorf (wo ich den Tag vorher hergekommen bin). Umstieg in den Bus 271 nach Spondinig. Umstieg in den Bus 250 nach Meran. Umstieg in den Zug nach Franzenfeste und dann in den Zug nach Vintl. Start 9.10 und geplante Ankunft. 14.05 Uhr. Alles stand auf go. Bis zum Frühstück schrieb ich noch mit Katja eine Weile und involvierte sie in meinen verrückten Plan.

Dann ging es runter zum Frühstück. 2 Gäste. Ein älterer Herr und ich.. später kam noch ein Italiener dazu, aber da waren wir dann schon fast weg. Der ältere Herr und ich kamen ins Gespräch und was dann folgte, trieb mein soviel Freude ins Gesicht. Er war auch ein Fernwanderer, der die Via Alpina läuft von Triest nach Monaco. An sich haben wir viele Überschneidungen. Gerade dann auf dem GTA. Im weiteren Gesprächsverlauf sprachen wir über die gestrige Etappe, Ausrüstung, usw. usw. UND DAS GEILSTE: Er hat auch schon fast alle Wege gemacht, wie ich u.a. Wien-Nizza. Er ist meine erste hochklassige Trailbekanntschaft. Mit der ganzen Quasselei verging eine Stunde wie im Flug und ich spürte auch, dass ich ihn irgendwie  aufhielt. Ich nannte ihm noch meine Internetseite und vielleicht trifft man sich ja auf dem Trail noch einmal wieder, worüber ich mich sehr freuen würde.

Er machte dann los und ich aß noch auf und ging dann auch auf mein Zimmer und machte mich fertig. Noch fix das Zimmerchen bezahlt und dann zur Bushaltestelle rüber gelaufen.  Ich hatte noch gut 20 Minuten Zeit. Das Wetter war schön, kalt und windig. 8-9 Grad und ich stand tatsächlich in langen Sachen dort. Aber ich war so gekleidet, dass ich im Bus dann schnell auf „kurz“ umrüsten konnte, ohne große Kramerei. Der Bus kam fast pünktlich und ich stieg ein, als einziger Gast, während vorher Haufen Leute ausstiegen.

Dann folgte eine spektukläre Abfahrt den Pass hinunter mit über 50 Kehren. Und der Ausblick zum Ortlermassiv rüber. Wahnsinn. Einfach nur Wahnsinn! Die Passabfahrt dauerte fast eine Stunde bis zum 1. Umstieg in Stilfs Dorf. Der andere Bus kam leicht verspätet und der Umstieg in Spondinig waren nur 6 Minuten. Da früh am Morgen nur wenige in diese Richtung wollten, hielt der Bus auch nicht überall und wir kamen fast pünktlich an. Der andere Bus hatte auch Verspätung 3 Minuten und die Umstiegszeit in Meran waren nur 9 Minuten. Aber die Busfahrer in Südtirol sind anders. Schneller und sportlicher. Was die aber nicht raffen, dass man als Bus nicht im Windschatten von PKWs fahren kann. Da wird halt bis 2m Abstand rangefahren und gehupt, wenn der Vordermann langsamer wird. Ohne Druck!!! 😀

Immerhin waren wir pünktlich in Meran, trotz der Verspätung. Er fuhr sogar soviel Zeit raus, dass wir noch eine 4 minütige Raucherpause machen konnten. (Keine weiteren Fragen! 😀 ).

Der Bus fuhr durch das Tal wo ich überall entlang lief und man konnte es kaum glauben, dass man hier überall war usw. Und da reden wir nurcvon 65 km von den bisher zurückgelegten 880 km. Kam zu glauben irgendwie. In Meran und Franzenfeste klappten die Umstiege auch problemlos. Im Bozen wurde der Zug dann sehr voll, doch mein Rucksack und ich saßen bequem. In Vintl angekommen, musste ich noch zum Hotel rüberlaufen, doch das tat ganz gut etwas zu gehen, trotz der Wärme. Der Checkin ging schnell von statten und ich konnte in mein schönes Zimmer. Sehr gut schallisoliert, obwohl eine sehr stark befahrene Straße direkt vor dem Gebäude liegt. Ich habe alles abgelegt und mich zu erst auf das Bett gelümmelt und gechillt.

Dann machte sich der Hunger breit und ich ging nach Vintl rein zum Supermarkt und wollte Proviant und Abendbrot. Es folgte noch einmal Materialpflege und Nachrichten beantworten bis zum Abendbrot. Fix geduscht vorher und dann Essen fassen. Es gab 3 Bockn mit Kartoffelsalat. Die Bockwürste hatte ich auf dem Balkon mit dem Campingkocher warm gemacht. Das ging schnell und problemlos. Danach war ich echt gut satt. An dem Abend ging dann auch nicht mehr viel und ich telefonierte noch mit einem Kumpel fast eine Stunde lang. Dann war auch Matratzenhorchdienst angesagt und ein toller Tag ging zu Ende.

Ich plane ab dem 24.07. wieder auf dem Trail zu sein. Ob ich den Exkurs blogge, weiß ich noch nicht. Da das mit Wien- Nizza an sich nichts zu tun hat, nutze ich auch lieber die Zeit für Freunde, statt Schreiben. Habt bitte Nachsicht. Und wenn nicht, mir auch egal. 😀 Die Bilder von Vintl und drum herum sind noch vom Freitag mit ergänzt, als ich eine kleine Runde hier gegangen bin.