Alpenüberquerung
Wien - Nizza

41. Etappe: Naturns – Goldrain

Diese Nacht habe ich echt gut geschlafen und ich habe mich fit gefühlt, nach dem Aufwachen gegen 6.30 Uhr. Etwas später als sonst, aber ich war auch etwas länger wach. Laut meines Fitnesstrackers Sleep Score 95! So einen score hatte ich noch nie. Nicht einmal mit meinem Oura Ring. Entsprechende Erwartungen hatte ich natürlich an den Tag.

Ich begann in aller Ruhe mit meiner Morgenroutine, machte mich fertig und räumte alles zusammen. Noch das Wetter gecheckt und dann ging es 8 Uhr zum Frühstück. Dort wartete ein normales Hotelbuffet, mit dem ich absolut zufrieden war. Und..  ich habe es hinbekommen, dieses Mal das rohe Ei zu kochen und nicht wie in Moos, das rohe Ei angeschlagen hatte, weil ich dachte, die Eier waren schon gekocht. Dafür gebe ich mir definitiv einen Pluspunkt. 😀 Da die Etappe heute nicht so lange und weit ist, habe ich genüsslich gefrühstückt und über für Sachen nachgedacht und gelegenheitlich aus dem Fenster gestarrt.

Als ich fertig war gegen 9 Uhr ging es los und ich bin noch einen kleinen Umweg gelaufen, da ich im SPAR noch Proviant geholt hatte. Ich war mir nicht sicher ob in dem kleinen Laden in Goldrain, meine Wunschprodukte verfügbar sind. Das gab mir noch die Gelegenheit den Ort Naturns etwas im Detail zu erkunden, während ich zu meiner ursprünglichen Strecke gelaufen bin, die eher außerhalb verlief. Es war zu der Zeit schon echt warm, schwül und sonnig.

Es ging dann direkt recht steil los Richtung Juval hoch. Ich hätte auch die längere und nicht ganz so steile Straße gehen können, aber nein.  Schnell lief ordentlich der Schweiß aus allen Poren und irgendwie war es ungewöhnlich zäh. Keine Ahnung warum, weshalb so die übliche Leichtigkeit fehlte. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Wärme heute ordentlich den Körper beansprucht hat. Es war jetzt nicht dramatisch oder so, aber man merkt eben, wenn es anders läuft, als gewöhnt. Der längere sehr steile Anstieg war glücklicherweise der schwerste Part und damit dann bereits erledigt.

Ich lenkte dann auf den Vinschger Höhenweg ein, der auch ganz toll gewesen ist. Ich konnte viel in Schatten der Bäume laufen und das beste war direkt am Weg. Ein Waal. Quasi ein künstlich angelegter Bach der Wasser am Berg transportiert. Dadurch war es auch etwas kühler. Das war super und irgendwie spektakulär zu gleich. Ich war noch nie an einem Waal gelaufen und heute fast den ganzen Tag bis Goldrain. Ein fantastischer Weg zum Genusswandern. Ich machte nach 1 Stunde ca. eine kleine Trinkpause und genoss den Ausblick und das plätschern des Waals. Man wollte gar nicht mehr los.

Im weiteren Verlauf kam ein Schild, dass der Weg gesperrt ist und man hätte absteigen müssen, um eine Umleitung durch das Dorf Kastelbell zu laufen. Das Schild dafür habe ich „leider nicht“ gesehen. 😀  Aber dann wurde meinem Starrsinn ein jähes Ende gesetzt. Ich musste über eine Brücke und am Ende war ein Tür. Verschlossen! Mist! Es gab auch keine Möglichkeit vorbei. Also bin ich paar Meter zurück gelaufen und über eine Apfelplantage doch Richtung Kastelbell abgestiegen und wenig später wieder hoch. Der Umweg hielt sich in Grenzen.

Immer wieder gab es schöne Ausblicke zu genießen, wenn man nicht in Wald gelaufen ist. Heute bin ich auch viel auf dem italienischen Jakobsweg gelaufen und ich hätte an meiner Unterkunft sogar stempeln können. Aber es ist so krass, wie das ganze Tal und die Hänge mit Wein- und Apfelplantagen zugepflastert ist. Aber wenn man im Supermarkt in Deutschland mal bei Äpfeln schaut, wo die herkommen, sieht man sehr häufig „Bozen“ auf dem Etikett.

So gegen 13.40 Uhr war ich dann angekommen am Schloss Goldrain. Eine tolle Anlage mit einem separaten Neubaugebäude außerhalb der Burgmauern, wo die Unterbringungen sind. Alles sehr neuwertig und modern. Der Checkin war auch einfach und unkompliziert. Als der Mitarbeiter fragte, von wo ich grad komme und wo es hingeht, war er sprachlos, als ich von meinem Projekt erzählte. Wenn ich bedenken, dass ich in ein paar Tagen bereits die Hälfte schon geschafft habe mit 900 km. Fetzt schon, wenn man so mal in Ruhe darüber nachdenken.

Im Zimmer angekommen folgte die Ankommroutine, da ich noch warmen Wind und Sonne zum trocknen nutzen wollte. Dann fix geduscht und die Etappe nachbereitet für den Beitrag. Ich war mir noch unschlüssig wegen Abendbrot. Selber machen oder essen gehen. Die Entscheidung viel auf selber machen und ich machte mich wenig später auf den Weg zum Konsum. Über den Bergen weiteren oben braute sich bereits etwas zusammen und ich bin fix hingetippelt, auch in der Hoffnung mein Münzkleingeld loszuwerden 6.00 Euro. Angekommen. Dose Kidneybohnen, paar Chips, Wasserflaschen mit Sprudel und ein Eis durfte nicht fehlen. Summe? 6,04 Euro an der Kasse… neeejjjeee!! Ich hätte doch genauer rechnen sollen und nicht überschlagen bzw. Logarithmieren. Selbst mit der Polynomdivision war ich drüber. Immerhin etwas losgeworden. 😄

So wie ich aus dem Laden raus bin, läutete es an der Schränke. Kam natürlich jetzt genau ein Zug. Als stellte ich mich davor, wartete und genoss mein Calippo Cola. 🤤 Nach einer Weile war der Zug dann auch durch und ich ging zügig Richtung Schloss zurück, da es doch schon etwas brummelte in der Entfernung. Aber es zog oben über die Berge davon. Hier kam nix bis zu dem Zeitpunkt.

Angekommen im Zimmer, sofort alle Klamotten wieder ausgezogen und nur Turnhose. Die anderen Sachen waren mittlerweile schon wieder trocken und für morgen einsatzbereit. Bis zum Abendbrot schrieb ich noch den Beitrag und dann setzte ich Wasser mit meinem Gaskocher an, um mein Trekking food anzurichten. Käsenudeln mit Röstzwiebeln und die Dose Kidneybohnen dazu. Die liefern mit am besten Power und Nährstoffe, da morgen die Etappe wieder länger ist mit 26,3 km und 6,5 Stunden berechnet bis Stilfs Dorf.

In Stilfsdorf war ich letztes Jahr schon bei der Tour Bodensee-Gardasee und dieses Mal bin ich im Hotel daneben untergebracht. Mal sehen, wie das ist und das Zimmer soll nicht zur Straße sein. Das war letztes Jahr mega ätzend gewesen, weil da auch die Buswendestelle ist. Die Wetteraussichten für die nächsten 2 Tage sehen leider nicht so geil aus. Regen und viel Gewitterneigung. Da ich übermorgen zum Stilfser Joch hoch will, habe ich sicherheitshalber mal noch keine Unterkunft dort organisiert, weil ich abbrechen muss und mit dem Bus ggf. vor oder zurück fahren muss, wenn es nicht geht. Da möchte flexibel bleiben bei der Unterkunft. Drücken wir mal Daumen.

Nachdem ich kugelrund gefuttert war, habe ich noch etwas entspannt, gestretcht und massiert, damit die Beine morgen fit sind. Damit geht nun wieder ein recht warmer Tag zu Ende.