Alpenüberquerung
Wien - Nizza

33. Etappe: Rifugio Passo Valparola – Rifugio Forcella Pordoi

Diese Nacht habe ich ganz hervorragend Mal geschlafen. Das Bett war super, es war ruhig und keine Hellhörigkeit. Was will man mehr, obwohl das Rifugio direkt an der Passstraße liegt. Aber da kommt dann nachts auch keiner. Natürlich war ich dann gegen 6 Uhr trotzdem wach, aber das war okay. Es folgte die übliche Morgenroutine. Heute war ich tatsächlich etwas aufgeregt auf die Etappe, da es oben am Piz Boe den zweiten Schnittpunkt mit einer anderen Alpenüberquerung gab. Der Traumwanderpfad München-Venedig kommt hier oben auch entlang. Und die Gipfelstürmer sind auch in ein paar Wochen dort.

7.30 Uhr ging es dann pünktlich zum Frühstück. Typisch rationiertes Hüttenfrühstück. Da wusste ich schon, dass könnte heute knapp werden mit der Energieversorgung. Proviant habe ich aber genau dabei. Ich musste als nicht verhungern. Vorteil ist bei so einem Frühstück. Man ist schnell fertig, da man nicht erst am Buffet rumeiern muss, bis man alles hat. Also war ich gegen 8 Uhr soweit durch und ich habe mich final zum Abmarsch fertig gemacht. Noch fix bezahlen und so gegen 8.15 Uhr ging es dann los.

Da ich aktuell irgendwo bei 2000 hm unterwegs bin, war es früh beim Start doch recht frisch und  vorallem windig. Daher hatte ich mein Outfit auch entsprechend angepasst, dass man nicht erfriert. Zu Beginn ging es an einem Berg per alpinen Wanderpfad direkt los. Zwar etwas anspruchsvoll, doch gut begehbar. Alles kein Problem. Ich habe ordentlich Gas gegeben damit ich die Bergekette schnell überschreiten konnte, da sich dahinter ein wahrer Aussichtsgoldschatz versteckte. Also wurde das Läuferfeld von hinten systematisch aufgerollt, bis ich alle geschluckt hatte. 😀  Dann kam noch ein kurzes steiles Stück und der Lohn folgte auf den Fuß. Ich bin noch ein Stück weiter abgestiegen, bis ich in der Mitte so etwas wie ein Plateau erreicht hatte. Und dabei ist das folgende Video entstanden.

Ich werde gar nicht soviel dazu sagen, denn das Video und die Bilder heute sprechen einfach nur für sich und lassen sich nicht in Worte fassen. Ich lief dann allmählich immer näher an der Piz Boe heran, wo noch ein recht knackiger Aufstieg auf mich wartete. Es ging noch durch ein Waldstück und dann quasi zum „Startpunkt“. Bis dahin waren schon knapp 13 km im Kasten. Jetzt folgten echt harte und teilweise anspruchsvoĺle 7-8 km. Aber ich war heiß drauf. Am Einstieg angekommen war übelster Tumult, da dort scheinbar irgendwie was mit Radrennen war und dort massig Leute und Radfahrer waren. Ich bin flink zum Einstieg rüber, kurze Pause mit etwas trinken und snacken und dann ging es direkt mal mit 30% Forststraße los. Aber dank guter Technik und Laufrythmus ging es gut vorwärts.

Am Rifugio Bec de Roces wechselte dann der Weg in einen recht steilen alpinen Wanderweg, mit paar Stellen zu klettern. Aber nichts dramatisches, da dort Familien mit Kinder und Hunden unterwegs waren. Also alles im Rahmen. Das Wetter war perfekt und man merkte, dass es touristisch wurde, was Menschenmenge betrifft usw. Da musste man gelegentlich auch mal überholen. Der Weg lief mit spektakulärer Aussicht immer weiter hoch Richtung Piz Boe. Die Route kannte ich noch nicht, da wir 2016 quasi von der anderen Seite kamen.

Auf der Höhe des Rifugio Franz Kostner al Vallon trennte sich dann die Spreu vom Weizen, da dort dann die Seilbahn war und die Familien quasi dort aussteigen. Der Weg ging dann etwas hoch und um den  Le Punte unterhalb herum. Dann kam die Schlüsselstelle des Tages. Ein brutal steiles Schotterfeld. Ohne Halterungen oder Seile ist kaum/kein Anstieg möglich. Ich habe mich dann direkt am Fels entlang hochgearbeitet, da man sich dort gut festhalten und hochziehen konnte. Von oben kamen auch immer paar Absteiger, die natürlich auch ordentlich zu tun hatten. Ich wusste, dass weiter oben dann Seile kommen, da ich gestern noch bei Youtube ein Video angeschaut hatte, wo diese Route gegangen wurde.

Wenig später kamen dann die rettenden Seile, um beim Aufstieg nicht soviel Zeit und Kraft zu verlieren. Da konnte ich mich dann sicher und schnell nach oben zum Rinnenende durcharbeiten. Ich merkte, dass langsam auch das Energielevel abnahm. Aber alles noch im Rahmen. Jetzt war der Weg relativ einfach, aber steil. Man musste nur der Ameisenkolone in Menschenform hinterher laufen. Das letzte Stück war noch einmal kräfteraubend, doch das Ziel fest im Blick. Und dann  war es geschafft. Oben angekommen und ich hätte direkt im Strahl kotzen können, weil dort soviele Leute waren, auf dieser kleinen Plattform. Ich habe mich durch die Massen zum Gipfelkreuz geschlängelt, mich wärmer angezogen, weil auf 3152 m war der Wind verdammt eiiiiisig und ordentlich böhig. Paar Fotos gemacht, damit ihr auch zum bestaunen habt, ein Schluss Wasser mit Himbeersirup genascht und dann bin ich dort weg, da ich ja noch absteigen musste zum Rifugio Forcella Pordoi.

Da an dem Rifugio eine Seilbahn in der Nähe ist, kommen und gehen von dort auch Massen zum Piz Boe hoch. Vorallem mit kleinen Kindern und Hunden. Da dort Kletterpassagen drin, finde ich das nicht so gut. Klar sind die Stahlseil versichert, doch wenn da Leute mit Höhenangst hantieren und gehen, ist das grenzwertig, weil die ewig brauchen für eine Stelle, wo es eigentlich keine Probleme gibt. Und manche Leute laufen so dicht hinter einem, dass die einem fast auf die Hände treten. Da musste ich auch mal auf den Abstand hinweisen. Weil wenn die wegrutschen, stehe ich direkt vor denen. Die sollen gefälligst alleine den Köpper in Hang machen und nicht mit mir.

Der Abstieg zog sich wie ein Kaugummi durch das Stop-and-Go. Dann war es endlich geschafft und der Weg verbreiterte sich auf eine Fläche und dann  zeigte ich auf gerader und ebener Fläche auch noch einmal mein ganzes Können und Trittsicherheit. Wie ich dort ausrutschen konnte, ist mein absolutes Rätsel. Ich bin seitlich weggerutscht, aber habe mich gut gefangen, sodass ich nicht auf der Seite gelandet bin oder irgendetwas kaputt gegangen ist. Glück gehabt! 😀 Wäre sehr ärgerlich gewesen, wenn die Ausrüstung beschädigt worden wäre. Die letzten Meter war einfach wie ein Lemming der Masse folgen. Wenn die über die Klippe gehen, ab in den Tod. 😉

Angekommen an der Hütte, checkin gemacht und die übliche Ankommroutine – heute ohne Klamottenwaschen, weil das Zeug wird bis morgen früh nicjmht trocken. Ich habe keine Lust mit klammen Sachen zu starten. Also geduscht und mich vor die Hütte gesetzt und die wärmende Sonne genossen. Nebenbei habe ich schon etwas Blog geschrieben und noch 2 Unterkünfte final geplant, sodass ich jetzt eine gute Woche laufen kann, bis Meran. Dann wird jetzt das Resupply-Package vorbereitet bzw. geplant und es kommt dann hoffentlich Ende nächster Woche in Meran an. Ich bin zuversichtlich, dass das klappt. Die Unterkunft weiß auch Bescheid.

Ich habe noch etwas die Sonne genossen, aber es wurde mir dann zu kühl draußen und ich habe mich reingesetzt und einen Zitronentee genascht. Während des Beitrags schreibens, schwelgte ich auch etwas in Erinnungen von 2016, als wir hier durchgekommen. Da hatten wir das Glück, dass wir oben auf dem Piz Boe in der Hütte schlafen konnten und früh einen ganz tollen Sonnenaufgang erleben durften.

18.30 Uhr gab es dann lecker Abendbrot und alt werde ich heute auch nicht.