Alpenüberquerung
Wien - Nizza

30. Etappe: Moos – Lago di Misurina

Diese Nacht habe ich echt gut geschlafen, aber dafür etwas kürzer als sonst, da ich erst später ins Bett bin (musste ja noch Edelfan-Nachrichten beantworten). Frühstück gab es eh erst 7.30 Uhr von daher, alles halb so wild. Gegen 6 Uhr war ich dann schon wach und packte in aller Ruhe mein Zeug zusammen, beantwortete noch einige Nachrichten und prüfte den Wetterbericht detailiert. Heute sollte es zum frühen Nachmittag ab 14 Uhr Gewitter und Regen geben. Die Etappe heute war schon etwas besonderes, da ich heute nun endlich die drei Zinnen aus nächster Nähe zu sehen bekomme. Bisher kenne ich diese nur aus ganz weiter Ferne (wenn es die überhaupt waren 😀) oder in irgendwelchen Dokumentationen. Die Vorfreude wurde aber leider wegen des Wetterberichts etwas getrübt. Die Etappe war mit knapp 6:10 Stunden kalkuliert gewesen, was wieder bedeutete, etwas schneller gehen und nicht trödeln.

7.20 Uhr bin ich schon runtergegangen zum Frühstück und wurde vom Personal freundlich begrüßt und ich durfte schon 10 Minuten eher beginnen, was mir sehr recht war natürlich. Nicole, was dort die Buffetverantwortliche gewesen ist, fragte mich nach meiner Tour heute und gab mir noch ein paar tolle Tipps und Empfehlungen mit auf den Weg. Sie holtr sogar noch eine Karte und zeigte mir ein paar Wege, die sich besonders lohnen sollen. So lieb es gemeint war, aber der Umweg wäre zu groß gewesen und das wäre mir zu knapp mit der Zeit geworden, wenn das Wetter so instabil ist. Ich habe genüsslich mein Frühstück verzerrt und habe mir dann noch etwas geleistet. Beim Buffet gab es auch Frühstücksei, welches ich mir griff und zum Tisch mitgenommen habe. Ich köpfe immer mein Ei, aber als ich grob angesägt habe, merkte ich, das Ei ist ja roh. Ich war so im Tran am Morgen, dass ich nicht gecheckt habe, dass man die selber kochen kann bzw. muss. (#Lichtschalter). 😀

Da ich los wollte, ließ ich es auf dem Teller liegen. Ich holte meinen Rucksack und bin zur Schlüsselabgabe. Da kam auch noch einmal Nicole und hat sich dafür entschuldigt. Ich mich natürlich auch, aber wer rechnet schon mit soviel Verdummung der Gäste am Morgen. Wir haben uns freundlich verabschiedet und los ging es auf den Trail kurz nach 8 Uhr. Knapp 20 km, 1200 hm rauf und 840 hm runter. Kalkulierte Zeit bei Komoot (schnell) 6:10 h.

Das erste Stück führte aus Moos heraus in Richtung Talschlusshütte. Der Weg folgte einem großen und schön angelegtem Wanderweg so 5 km, minimal bergan. Warm up quasi. Da merkte, dass der gestrige Tag doch gut für die Regeneration gewirkt hatte. Die Beine und Arme fühlten sich sehr gut an und im Kopf hatte sich der Gedanke breit gemacht, heute geht was. Mehr dazu später im Etappenresüme.

Ab der Talschlusshütte war dann auch klar: Touristengebiet. Ich wählte einen anspruchsvolleren (steileren) Weg, damit dort nicht so viel Betrieb ist. Jetzt kamen 5 km mit knapp 20-25% Steigung 800 hm. Aber man merkt auch, dass man trainierter ist und mehr auf Technik achtet, beim steilen hochlaufen. Ich gehe meist kleine Serpentinen und mache lieber 3 kleine Schritte nach oben als 1 größeren, der deutlich mehr Kraft kostet. So nahm ich Fahrt auf und ballerte die 5 km im nu durch und rollte das Feld von hinten auf. Es lief einfach richtig gut.. auch der Schweiß natürlich und der Weg war einwandfrei zu gehen.

Dann kam der Moment, die drei Zinnen der Dolomiten schauten über den Berg und man sah die drei Zinnen Hütte. Was man dort dann aber auch sah… Massen an Menschen!!!! Ich dachte mir nur.. „Was zur Hölle…“ Da wollte ich definitiv nicht bleiben. Also bin ich durchgelaufen und habe immer mal paar Bilder aus einem anderen Winkel gemacht. Aber das hat nichts mehr mit Wandern oder Natur zu tun. Der Himmel war dann mittlerweile auch schon gut bewölkt und die ersten dunkleren Wolken formierten sich. Und die Kraft war noch voll da. Also ging es nach den Zinnen bergab zum Lago di Misurina. Und die Zeit sah auch sehr gut aus.

Der Abstieg ging dann relativ fix und war weniger touristisch. Nur vereinzelt paar Wanderer. Aber die Ausblicke in die Dolomiten bisher. Absoluter Wahnsinn. Ich weiß genau, warum ich Südtirol so sehr mag. Das Land der Tausend Berge..

12:45 Uhr rum war ich an der Unterkunft nach 4:38 h. Ich muss die Etappenplanung wirklich mal etwas besser organisieren. Jedenfalls bin ich im Trocknen angekommen und konnte gleich in mein Zimmer. Hier oben an dem See ist nicht viel außer paar Hotels, die echt teuer sind. Ich konnte mir noch ein ansatzweise günstiges Zimmer ergattern. Es gab zwar mehrere Campingplätze, aber da es dann ab Nachmittag bis früh durchregnen soll, entschied ich mich für ein gemütliches Bett.

Im Zimmer folgte dann die übliche Routine:

  • Waschen
  • Materialpflege
  • Duschen
  • Essen
  • Ausruhen (heute sogar ein kleines Nickerchen gemacht)

Dann ging es an die Planung der nächsten Etappen und Unterkünfte. Die Recherche nimmt auch immer Zeit in Anspruch. So gegen 14.30 Uhr kamen dann die Gewitter und Regen, der bis jetzt auch anhält. Zum Abendbrot habe ich mir Wasser mit meinem Campingkocher warm gemacht und 2 Tüten Trekking Food gegönnt. Danach war ich mehr als satt. 😀 Noch einen schönen Tee dazu und fertig. Ich wollte bei dem Mistwetter nicht noch wieder raus und alles einsauen. So ging es halt auch mal.

Heute wollte ich bewusst nicht viel über die Berge schreiben, weil man die Schönheit der Dolomiten kaum in Worte fassen kann. Genießt einfach die Aufnahmen und ich kann euch nur einen Besuch ans Herz legen. Das gehört auf jeden Fall in einem Leben dazu, das mal in Natura gesehen zu haben. 😀 Wer schon einmal dort war, weiß ganz genau was ich meine.

Resüme der Etappe: Klares Highlight natürlich die 3 Zinnen und die Panoramen in alle Richtungen. Aber ganz allgemein merke ich so beim Gehen der Etappen, dass so dieses ultra entspannte Wandern (noch) nix für mich ist. Die letzten Tage und Wochen merke ich für mich selbst, dass es mir innerlich mehr Befriedigung gibt, wenn ich nach einer Etappe ankomme und eine gute Zeit gelaufen bin. Vielleicht ist da so Speed Hiking mehr das Segment, was mich ausfüllt. Ich genieße trotzdem den Trail und die Aussichten und bleibe auch gern für ein Foto stehen, aber so im Inneren pusht es mich mehr und gibt mir mehr Zufriedenheit, wenn der Hike an dem Tag gut lief und ich mich teilweise auch an meine Grenzen gebracht habe. Wer mich kennt, weiß, dass das mit Floorball genauso irgendwie ist. 😀 Ich wollte euch nur gern an meiner heutigen Erkenntnis teilhaben lassen.

Jetzt lasse ich den Abend gemütlich ausklingen, habe mein Zeug soweit fertig gepackt und lausche dem Plätschern des Regens und Donnerns in der Ferne.