Alpenüberquerung
Wien - Nizza

29. Etappe: Porzehütte – Moos

Der etwas andere Tag. Die Nacht hatte ich an sich gut geschlafen, nur war in meinem Zimmer ein Schnarcher, der schon keine Ahnung wie zeitig ins Bett gegangen ist und bis früh durchgeschnarcht hat. Zum Glück hatte ich Ohrstöpsel drin, sonst hätte ich dem nachts bestimmt irgendwann das Kissen ins Gesicht gedrückt. 😀 Gegen 5 Uhr war ich dann schon relativ gut wach und habe meine Morgenroutine vollzogen. Ich bin derweil in der Hütte schon einmal in den Trockenraum gegangen, um meine Sachen zu holen. Dadurch das gestern soviele in diesen starken Schauer kamen, hingen da soviele nasse Klamotten, dass mein Zeug auch nur so semi trocken war. Also das Shirt angezogen und nochmal ins Bett für die Körpertrocknung. Die Wanderhose brauchte ich heute morgen noch nicht.

Als ich dann so das Wetter gecheckt hatte, dachte ich erst, die App hängt oder ist fehlerhaft. Warum stand da auf einmal eine Gewitterzelle kurz vor unserer Hütte. Einige sind gegen 5 Uhr schon los, da die Etappe zur Hochweißsteinhütte recht lang ist. Aber wenig später brummelte es bereits und es fing ordentlich mit regnen an. Also habe ich schon überlegt, wie ist die Alternativroute?! So richtig hatte ich noch keine zündende Idee. Naja, später mal gucken. 😀

6.30 Uhr ging es zum Frühstück und es waren wieder die bekannten Gesichter da, von unserem gemeinsamen Tisch des gestrigen Abends. Die 3 wollten 5 Uhr starten, haben es dann aber lieber gelassen. Das wäre mehr als lebensgefährlich geworden. An meinen Tisch geselten sich noch paar Mädels vom Vorabend und wir haben in der Gruppe nach Ideen gesucht. Tina wollte sowieso absteigen und meine Alternative wäre eine verkürzte Route auf dem Karnischen Höhenweg gewesen. Aber selbst die war nicht machbar. Also blieb heute schweren Herzens nur eins übrig – Abstieg. Laut Wetter-App sollte der Niederschlag länger anhalten. Im Regen da oben rumhuschen ist Käse.

Ich bin dann mit Tina nach Obertillach direkt abgestiegen. Kürzester Weg zu den Öffis mit knapp 8 km. Wir sind gegen 7.40 Uhr los und waren 9.30 Uhr dort. Der Plan von mir war dann bis Sillian mit Bus und dann 2 Haltestellen bis Vierschach mit dem Zug. Ab Vierschach dann nach Moos laufen. Quasi von der anderen Richtung kommen im Gegensatz zur ursprünglichen Route.

Als wir in Obertillach ankamen, hatte es mittlerweile aufgeklärt und die Sonne kam durch. Dementsprechend wurde es auch wieder recht warm. 9.45 Uhr kam pünktlich der Bus 925 Richtung Sillian Bahnhof. Mein Ticket habe ich bequem mit der ÖBB App gekauft, was quasi der DB Navigator von Österreich. Tina ist dann schon eher ausgestiegen, dass sie noch umsteigen musste. Ich bin zur Endstelle durch gefahren und hatte dann eine Stunde Wartezeit. Die nutzte ich um zum Billa zu laufen und meinen Proviant nachzukaufen. Da wäre das auch erledigt gewesen und ich gönnte mir noch einen Smoothie und Kartoffelsalat auf die Faust, so als kleine Zwischenstärkung. Der Zug fuhr pünktlich 11.15 Uhr ab um mich 7 Minuten später in Italien in Vierschach wieder rauszulassen. Damit fer Tag nicht komplett ungelaufen war, bin ich dann noch nach Moos gelaufen. Ich hätte auch von Sillian laufen können, aber meine Beine waren noch schwer vom Vortag und ich habe aktive Regeneration betrieben.

Von Vierschach nach Moos bei Sexten waren es noch einmal 7 km mit einem steilen Anstieg. Ich bin gemütlich hingelaufen und habe die ersten Eindrücke von den Dolomiten aufgesaugt. An der Unterkunft gegen 13 Uhr angekommen, habe ich mein Zimmer bezogen und Klamotten gewaschen. Die Dusche danach war absolut herrlich mal länger als 2 Minuten zu duschen, so nach 3 Hüttentagen. 😀 Ein Träumchen.

Danach wurden paar organisatorische Sachen für die nächsten Etappen erledigt und Nachrichten meiner Fans beantwortet. Die üblichen 3 bis 4. Ich glaube aber, mittlerweile lesen schon paar mehr Leute meinen Blog. In der Zwischenzeit hatte ich mir ein Wasser mit Magnesium angerichtet und wollte es dann auf dem Bett nebenher trinken. Doch die Tablette hatte soviel Kohlensäure entwickelt, dass es mir das Wasser beim Öffnen schön alles auf das Shirt und das Bett sprudelte. Wenn der Rahmen der Möglichkeiten doch nur nicht immer so schmal wäre. 😀

Gegen 18 Uhr ging es dann in einen Pizzaria etwas essen. Es gab lecker Salat und ein gemischter Grillteller mit Pommes und Grillgemüse. Es war echt lecker und ich gut satt. Neben meiner Unterkunft war noch ein Eisladen. Ach was solls.. hinein. 2 Kugeln Kokos und Amaretto in der Waffel. Echt lecker und reichlich gewesen. 😀 Ich nutzte die Zeit des Eiscschlemmens, um noch etwas durch den Ort zu gehen und natürlich die Berge anzuschauen. Südtirol, du bist mein zweites Heimatland. 😉

Resüme des Tages: Schade, dass es heute nicht so geklappt hat, wie gewünscht. Aber die Sicherheit geht am Berg weit vor dem Ego. Abbrechen, Umplanen und Improvisieren gehört eben zu so einer Tour dazu. Das macht es auch spannend und zwingt einen aus der Komfortzone. Auch wenn das Wetter für den Rest des Tages bombastisch war, habe ich nun den Karnischen Höhenweg verlassen und starte morgen in den Alpenabschnitt, auf den ich mich bisher am meisten gefreut habe. Die Dolomiten bzw. Südtirol.