Alpenüberquerung
Wien - Nizza

6. Etappe (Alternative): Ottohaus – Göbl-Kühn-Steig – Knappensteig – Neuberg an der Mürz

Nachdem es gestern doch knackiger war als gedacht und der Körper heute morgen doch meinte, eine Schippe mehr noch: „Muss das sein?“ habe ich den Entschluss gefasst die gestern thematisierte Alternativroute zu machen, die weniger Höhenmeter und etwas weniger Distanz umfasste.

Diese Nacht habe ich auch nicht so gut geschlafen. Das Kopfkissen war irgendwie knüppelhart, sodass dann irgendwann das Ohr weh tat nach einer Weile. Hier und da immer mal aufgewacht. Vielleicht lag es an der Höhe des Ottohauses auf 1644m. Wer weiß. Jedenfalls bin ich 6.00 Uhr aufgestanden und bin schon mal durch das Bad durch, bevor die anderen Gäste wach geworden sind. Als ich aus dem Fenster schaute, sah ich schon die Sonne und einen blauen Himmel. Das war heute das Programm des Tages bei einer Briese Wind dazu.

Frühstück gab es erst 7.30 Uhr. Mit Packen ging es schneller dieses Mal und ich konnte noch vor die Hütte gehen und das tolle Wetter genießen. Da habe ich für mich schon hin und her überlegt, was machst du heute. Hardcore um jeden Preis oder eher gemäßigt und die Physis für die nächsten Etappen besser einteilen. Ich hatte mir dann beide Varianten noch einmal im Detail angesehen und das Wetter auch gecheckt und ganz wichtig heute die Frage für mich selbst gestellt: „Was möchte ich heute machen und schaffen?“ Das Resultat nach reichlicher Überlegung: „Kurzarbeit!“

Bevor ich heute auf dem Zahnfleisch am Ziel ankommen würde und morgen dann gar nichts mehr im Tank ist, entschied ich dann auf „Aktive Regeneration“. Im Inneren habe ich auch für mich gemerkt, dass es die richtige Entscheidung war. So konnte ich heute ganz entspannt Stück für Stück absteigen nach Neuberg an der Mürz und trotzdem ganz tolle Ausblicke in die Ferne haben. Hier mal eine Gegenüberstellung beider Varianten:

Ursprüngliche Variante

Alternative Variante

Jedenfalls gab es dann 7.30 Uhr Frühstücksbuffet. Das muss natürlich abgegessen werden. Man hat ja schließlich ordentlich Penunzen dafür bezahlt. Nach dem reichlichen Frühstück, bin ich dann noch einmal auf mein Zimmer und habe meinen Rucksack geholt und mich umgezogen. Schlüsselabgabe und gegen 9 Uhr ging es ganz geschmeidig los.

Es ging direkt los zu Beginn mit einem kleinen Anstieg, wo ich schnell gemerkt habe, dass das heute die richtige Entscheidung war. Es ist wie beim Saufen. „Kenne dein Limit!“ Also bin ich bei herrlichstem Wetter losgetippelt. Zum Glück war meine Ausrüstung über Nacht gut getrocknet, da sie am Kamin übernacht mit gegangen hat, wo andere zahlreiche Gäste ihr Zeug hingegangen haben. Normalerweise haben ja die Hütten so etwas wie Trockenräume. Diese leider nicht und die Zimmer waren auch nur passiv von unten beheizt. Also recht kühl und zum Trocknen weniger geeignet.

Dann kam die Gablung zwischen beiden Varianten. Ich habe an der Kreuzung wirklich noch einmal mit mir gerungen, was ich denn nun verpassen würde. Der Trail ging natürlich auf knapp 2000 hm und bei dem Wetter hat man dann natürlich noch einmal einen fantastischen Rundumblick. Aber das Opfer dafür heute, war mir auch etwas zu groß. Das endet sonst wie in diesem Video hier:

Nach und nach löste sich der Zwiespalt jedoch und es fiel mir auch wie ein kleines Gewicht von den Schultern. Ich denke, der ein oder andere hatte auch schon ähnliche Entscheidungen, egal ob beim Wandern oder in anderen Bereichen. Am Ende muss man es nur vor sich selbst vertreten können und vor niemandem anders. (Gott vielleicht noch 😉).

Also ging es voller Vorfreude auf dem anderen Weg, den nächsten Abschnitt entgegen. Den Göbl-Kühn-Steig. Ein toller alpiner Wanderweg, der auch recht beliebt ist, da mir viele andere Wanderer aufwärts entgegen kamen. Immer wieder bin ich stehen geblieben und habe die tolle Aussicht und die Natur genossen. Es war traumhaft und zum Teil auch ein emotionaler Moment, dass man einfach so in den Genuss dieser tollen Situation gekommen ist.

Da ich ja abgestiegen bin, kam dann auch die Baumgrenze wieder und die Fernblicke wurden natürlich weniger. Aber um ehrlich zu sein. Das war schon in Ordnung, da diese auch Schatten gespendet hatten. Der ursprüngliche Trail war weit oben und ohne Bäume. Den ganzen Tag nur in der knalligen Sonne laufen, hätte sicher auch seine Spuren hinterlassen. Wenn man als Mr. Crabs dann die nächsten Tage daher läuft.

Der Abstieg war mal gemäßigt, manchmal steil und ich habe am linken Fuß am Digitus pedis IV. dann die erste kleine Blase vernommen. Wie immer wenn der Abstieg lang ist und umgangssprachlich Ost: „Die Boddn foiern!“ Die Anstiege und Abstiege der anderen Route, hätten sicher nicht nur eine produziert, in Anbetracht des Streckenverlaufs.

Es folgte dann der „Knappensteig“ bis knapp vor das heutigen Tagesziels, den „Gasthof Schäffer“ im Zentrum von Neuberg an der Mürz. Der Knappensteig war an sich ein kleinerabee feiner Waldweg, der hier und da die Forststraßen abgekürzt hat und etwas Abwechslung brachte. Glücklicherweise war der Weg gemacht bzw. gepflegt. Dadurch waren die Gräser gemäht und nicht so hoch. Das war sehr angenehm zu gehen. Danke an die fleißigen Helfer, die sich um die Wegpflege kümmern, damit wir Wanderer unseren Laufgenuss haben.

Nach knapp 6 Stunden Laufzeit kam ich am Gasthof an, wo scheinbar so etwas wie eine Hochzeit zelebriert wurde. Alle ganz schick angezogen und dann kam ich als „Edelpenner“ dazu. 😀 Es spielte Akkordeon Livemusik und es wurde feucht fröhlich dazugesungen. Zum Glück musste ich nichts spenden, weil ich hingeschaut hatte. Ich musste mich erstmal durch ein paar Leute durchschieben, weil die genau vorm Eingang standen. Der erste deutsche Reflex in mir: „Notausgänge haben stets frei zu sein!“ 😀 Da das Personal mit der Gesellschaft gerade viel zu tun hatte, war der Checkin ganz fix. Begrüßung, Schlüsselübergabe, und erklärt wo es ist. Soll mir zu dem Zeitpunkt auch recht gewesen sein.

Schnell ins Zimmer, Klamotten gewechselt bzw. geduscht, Materialpflege und erst einmal entspannt. So gegen 18 Uhr gings dann runter zum Abendessen. Alkoholfreies Hefeweizen, gemischter Salat und ein Kalbsbutterschnitzl. Meine Güte war beides verdammt lecker. Also so richtig lecker. Da wäre auch nicht der Thermomix 7 rangekommen. Jede Wette. 😀 Nach dem Essen ging es hoch und noch den Blogbeitrag für euch finalisieren.

Morgen geht es zum Graf-Meran-Schutzhaus und nicht über die Brunnalm. Da war nix mit Schlafmöglichkeit verfügbar. Davon mal abgesehen, dass der Hof dort 3 Telefonnummern hat und man dort über mehrere Tage niemanden erreicht oder es einen Rückruf gab. Pech eben. Macht jemand anders halt Kasse.

Alles in allem trotzdem ein sehr schöner Tag, auch wenn die Rahmenbedingungen nicht 100% ideal waren. So ist das nun mal. Das Leben geht weiter (in weiteren 83 Etappen)