Alpenüberquerung
Wien - Nizza

7. Etappe: Neuberg an der Mürz – über Grundbauerhütte – Graf-Meran-Schutzhaus

Der Morgen begann recht angenehm entspannt, nach einer erholsamen Nacht. Ich habe relativ gut geschlafen und war so gg. 6 Uhr zwar wach, bin aber noch bissl liegen geblieben, da Frühstück eher erst ab 8 Uhr war. Also alle Zeit der Welt gehabt. Also habe ich noch gedöhst und bin dann so gg. 7.00 Uhr gemütlich aufgestanden und habe meinen Kram zusammengeräumt. 

Ein Blick nach draußen stimmte mich auch sehr positiv. Die Sonne schien, blauer Himmel und paar Wolken. Der Wetterbericht hatte so für Nachmittag möglicherweise Regen mit drin gehabt. Aber das sollte mich heute nicht demotivieren. Also dann alles fertig war, bin ich runter gegangen zum Frühstück. Wie immer recht reichlich, damit ich über den Tag gut komme. 2 Semmeln mit Wurst, Käse, Honig, ein Ei und eine kleine Schale Müsli. Noch bissl Saft, Käffchen, und Obst und dann war der Bauch auch schon wieder gut gefühlt. Fix mein Rucksack geholt und final gepackt und dann ging es 9 Uhr los. 

Heute war eine mittelschwere Etappe angesagt gewesen. Zwar nicht so weit, aber man kann fast sagen, durchweg im Aufstieg. Die Etappendetails wie immer oben im Komoot Bild verlinkt. Gleich nach dem ich Neuberg Richtung Wald verlassen habe, ging es sehr steil bergauf, so zwischen 20-30%. Aber ich war frisch und ausruht und habe mich Meter um Meter den Berg hinauf gearbeitet. Um sich bissl abzulenken, hat man sich schöne Gedanken gemacht oder mal so die letzten Gespräche noch einmal reflektiert. 

Und da habe ich besonders über das mit Ulrike nachgedacht. Wir haben uns vor 2 Jahren auf der Alpenüberquerung “Salzburg – Triest” kennengelernt. Das erste Gespräch, war im Carl-von-Stahlhaus beim Königssee im Berchtesgadener Land. Als wir uns damals unterhielten, hatte sie auch schon viele große Wanderungen in der Vergangenheit gemacht und musste aktuell ein geplantes Projekt leider absagen, aus gesundheitlichen Gründen. Und dann schrieb sie mir auch, was die Quintessenz aus allem war: “Nichts aufschieben!” Und ich denke, dem ist nicht hinzuzufügen, weil wer gibt einem die Sicherheit, etwas in einem 1, 2 oder 3 Jahren machen zu können. Von daher hat sie absolut recht! Zögert nicht, sondern macht es! (Ja, die 5 Euro fürs Phrasenschwein hab ich leider schon bei der Ankunft in der Graf-Meran-Schutzhütte versoffen).

Aber auch andere Gedanken und Pläne gingen mir im steilen Weg so durch den Kopf, die mich fast automatisch laufen ließen. Aber das möchte ich an dieser Stelle nicht preisgeben. 😉 Auf den Bildern sieht man das mit Steilheit leider immer nur ganz schlecht. Spannend war eine Stelle, wo es ein riesiges föderalistisches Ameisengebiet gab. Viele riesige Hügel direkt nebeneinander usw. Auf dem Bild unten ging das Gebiet noch weiter nach oben und rechts rein. Echt beeindruckend. Ob es da auch ein Schengen -Abkommen gibt? 😀 

Als quasi der schwerste Part für heute endlich geschafft war, eröffneten sich die ersten grandiosen Fernblicke, auch wo der Trail heute lang geht. Dem Nordalpenweg 01 folgend ging es die naturbelassenen Waldwanderpfade entlang. Bei schönem und trockenem Wetter auf jeden Fall lohnenswert. Bei Nässe und Regen empfehle ich die parallel laufenden Forststraßen zu laufen, da sonst Hose und Schuhe nach 2 Minuten mit Wasser durchtränkt wären. 

Ich wanderte so meinen Weg entlang und genoss einfach die Natur. Wie immer, kein Mensch weit und breit zu sehen. Nur der Wald, das Grün und ich – bzw. die Tiere, die ich nicht sehe. In den letzten Tagen habe ich schon Lurche auf dem Weg getroffen, 2 Gämse und 2 Rehe, die so durch Hänge bzw. Wald hüpfen. Morgen könnten mich auch Steinböcke erwarten, meinte der Hüttenwirt, die nicht menschenscheu sein sollen. 

Nach dem längeren Stück Wald, kamen jetzt die Highlights der Etappe. Weiter oben mit tollen Panoramaausblicken. Liebe Gipfelstürmer seid bitte nicht zu neidisch, ihr dürft in Kürze auch wieder Fernblicke genießen. 😉 An der Grundbauerhütte habe ich heute ein kleines Päuschen gemacht und mal ganz entspannt auf einer Bank Platz genommen. Das war echt super in Verbindung mit dem Wetter.

Danach ging es weiter Richtung Meraner Schutzhütte. Der Weg dorthin war echt eindrucksvoll und ich bin häufig stehen geblieben, um mich an der Aussicht zu erfreuen. Ich lasse dazu einfach die Bilder sprechen. Der Weg schlängelte sich so am Kamm entlang, bis man in der Ferne (3-4 km) dann das Tagesziel bereits gesehen hatte. Schritt um Schritt näherte ich mich meinem Ziel und dann dann…. Sah ich es. Diese weißen Flecken in den Mulden. Alte Schneefelder, die noch dort rumhängen. Mein lustiger Gedanke dazu: “Tour jetzt abbrechen, weil zu gefährlich?” 😀 Aber nein, Spaß beiseite. Die Schneefelder hatten glücklicherweise keinen Einfluss auf meinen Weg. (Aber wer weiß, wie letztes Jahr, als Mitte Juli die Schneefallgrenze auf einmal auf 1200m runter kam und das ganze dann so aussah. Dieses Jahr hoffentlich nicht!! 

Die letzten Meter zur Hütte und ich bekam ein ungutes Gefühl. Warum sah die Hütte so zu aus. Kein Mensch weit und breit. Der erste Gedanke war. Es gibt zum Glück einen offenen Winterschutzraum. Wasser hätte ich aus den Schneefeldern geholt und gekocht. Proviant habe ich genug dabei. Das waren meine Gedanken als ich um das Haus zum Eingang ging. Aber dann… 3 junge, hübsche Madls sind gerade aus der Hütte gekommen. Puuuuh. War also doch auf. Ich gehe so hinein, lege meinen Rucksack ab und rücke in die Gaststube ein, als mich der Hüttenwirt direkt mit Namen ansprach. Ich mich erstmal umgedreht und geschaut ob der Name irgendwo steht. Aber nein. Ich bin tatsächlich der einzige Übernachtungsgast heute. Die Mädels waren die letzten 3 Tagesgäste. Der Hüttenwirt hatte 1und1 zusammengezählt und wir kamen sofort ins Gespräch. 

Fix die Anmeldung erledigt und erstmal das oben genannte alkoholfreie Bier genascht. Da die Hütte eine Woche zu war und jetzt die ersten Übernachtungsgäste kommen (quasi ich), da wurde noch fix mein Zimmerchen vorbereitet. Als das fertig war bin ich rein und erstmal umgezogen und Katzenwäsche mit dem Waschlappen. Duschen war wegen Wassermangels leider nicht möglich. Aber warmes Wasser im Waschbecken mit bissl Seife. Geht genauso, dass man “entschweißt” wird.

Danach bin ich raus vor die Hütte und bin dort dann mit dem Hüttenwirt nochmal über Gott und die Welt und seinen Werdegang ins Gespräch gekommen. Ein sehr welt bewanderter Mensch, der viel zu erzählen hat. Sehr beeindruckt und voll interessant. 

18.30 Uhr hatten wir uns dann zum Abendbrot getroffen und haben ewig geschwatzt bis 20.45 Uhr. Daher der komplette Beitrag heute erst später. Jedenfalls war es ein sehr cooler Tag heute, der viel zu bieten und zum bestaunen hatte. Im übrigen die 2. Gams heißt Günther und wohnt quasi hier so um die Hütte herum. Mal sehen ob ich sie noch ablichten kann am morgigen Tag. Nun ab ins Bett und Augen zu.