Alpenüberquerung
Wien - Nizza

3. Etappe: Weissenbach – Neusiedl

(oder: Regen, Wind und die Hose – ein Drama in drei Akten.)

Gestern Abend bin ich herrlich eingeschlafen und habe dann auch relativ gut bis früh morgens durchgehalten. „Früh morgens“ heißt in meinem Fall inzwischen: 05:15 Uhr. Nicht, weil ich so diszipliniert bin – sondern weil der Wecker aus dem Nebenzimmer meinte, er müsse mich mitwecken. Die Wände waren ungefähr so dick wie ein Blatt Papier. Hellhörig deluxe. Aber abends war’s ruhig, alles im Rahmen.

Der Gasthof liegt direkt an einer relativ stark befahrenen Straße. Wenn man wirklich absolute Ruhe braucht, sollte man dort vielleicht zweimal überlegen. Aber für mich war’s okay – nicht perfekt, aber machbar. Und am Ende zählt ja: geschlafen wurde. Irgendwie.

Regen-Realität am Morgen

Nach dem Aufstehen um 06:45 Uhr kam der erste Blick nach draußen – und die Wetter-App hatte leider recht: Regen. Ich war schon fertig gepackt, stand dann aber wie ein kleiner Ausrüstungs-Philosoph im Zimmer und habe hin und her überlegt: Wie starte ich am klügsten? Was ziehe ich sofort an? Was bleibt noch trocken im Rucksack? Um 07:30 Uhr ging’s zum Frühstück. Und ich war erstaunt: Ich war tatsächlich der Letzte, der am Buffet auftauchte. Das ist für mich ungefähr so, als würde man sagen: „Peer, heute bist du mal spät dran.“ – ein Satz, der sonst nur in Paralleluniversen vorkommt.

Nach einem reichhaltigen Mahl bin ich nochmal aufs Zimmer, habe den Rest zusammengepackt und mich dann bewusst ein bisschen „Zeit geschunden“. Mein Ziel war heute ein Campingplatz, und ich wollte möglichst vermeiden, im strömenden Regen das Zelt aufzubauen. Die Etappe war nicht übermäßig lang, also konnte ich mir den Luxus leisten, den Tag taktisch anzugehen.

Heute also: Regensachen, Schirm und Gamaschen. Nach der gestrigen „nasse Wiese = nasse Schuhe“-Erfahrung war ich offiziell geläutert.

Der Wald: Regen-Setup funktioniert – Wind macht Psycho

Dann ging’s los in den Wald. Die Prognose für den Tag: Regen und starker Wind. Und ich kann bestätigen: Der Regen hat geliefert. Ohne zu geizen. Aber: Mein Regen-Setup hat richtig gut funktioniert. Schirm als Schutzschild gegen Wind und Regen, Shirt und Regenjacke drüber, dazu Regenhose und Gamaschen als Extra-Schutz, damit die Schuhe nicht von der Seite durchnässen. Für die heutigen Wald- und Forstwege war das wirklich top. Was man bei steileren Passagen dann allerdings merkt: Stöcke könnten das Leben leichter machen. Aber es ging auch ohne. Man muss nur wacher sein, wo man hintritt. Und nasse Wurzeln… nun ja: „Nasse Wurzeln sind wie ölige Körper im Pogokreis. Da tut man gleiten, nach allen Seiten.“ Ein paar kleine „üääähh“-Momente gab’s natürlich. Aber: Ich habe heute exakt 0 Menschen getroffen. Also war’s vollkommen egal. 😀 Die einzige echte Sorge, die heute mitlief, war der Wind. Im Wald kann das schnell unangenehm werden – Astbruch und so. Und dass das nicht nur Theorie ist, habe ich dann auch prompt erlebt: Unweit von mir kam ein mittelgroßer Ast runter. Ich dachte nur: „Nicht dein Ernst. Keine 30 Minuten unterwegs und der Wald bricht in sich zusammen, als würde das mit den Griffen in den Bergen nicht schon reichen.“ Zum Glück blieb es bei diesem einen Mal. Aber die Sinne waren danach auf „Achtung!“ gestellt, und ich bin so gut es geht mittig gelaufen – maximaler Abstand zu allem, was oben hängt. Ich hatte außerdem Glück, dass ich viel auf der windabgewandten Seite unterwegs war. Böen haben mich nur selten erwischt. Und wenn doch: Schirm hoch, Schildstellung, weiterlaufen. So bin ich die gut 4 Stunden bis Pernitz einfach durchmarschiert, nur kurz gestoppt für ein paar Fotos (die vermutlich aussehen wie gestern – Wald bleibt Wald. 😀).

Der wirklich spannende Teil: „Hose“ – der Endboss

Und dann… kommen wir zum Thema, das mich offenbar auf dieser Tour dauerhaft begleiten will: die Hose. 😀 Als ich in Sulz meine Jogginghose angezogen habe, habe ich gemerkt: Sie ist… zu klein. Ich musste euch das so lange verschweigen, bis ich eine Lösung hatte – sonst kommt ihr aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus und habt Muskelkater im Nacken. Ja, tut mir leid. Ich weiß, dass ich nichts kann. 😀 Ich habe genau drei von diesen Hosen zu Hause und liebe sie. Also habe ich mir für die Wanderung extra nochmal eine bestellt. Problem: Sie kam an, ich habe sie zu den Sachen gelegt – und natürlich nicht mehr überprüft. Rechnet ja keiner damit, dass man XL bestellt und L geliefert bekommt. Düdümm.

Für drei Monate also keine Lösung. Zum Glück gab’s in Pernitz einen NKD. Ich habe dort eine fast ähnliche Hose in XL gefunden – Anprobe gemacht, passt. Problem gelöst. Aber ehrlich: Wanderhose mit aufgehenden Nähten, falsche Größen… mal sehen, was als Nächstes kommt. Immerhin: Die Schuhe funktionieren prima. Bisher keine Blasen, trotz Feuchtigkeit von innen und außen. (Auf Holz geklopft, dass es so bleibt.)

Erstes Camping – (fast) ohne Drama

Heute stand das erste Mal Camping an – diesmal nicht „irgendwo“ im Abenteuer-Modus, sondern ganz offiziell auf einem Zeltplatz in Neusiedl bei Pernitz, dem Kohlhofmühl Camping. Der erste Check-in ging telefonisch, der Rest sollte später erfolgen. Ich durfte mir einen Platz frei auswählen – Luxus. Ich habe mit dem Aufbau noch gewartet, bis der Regen nachlässt, damit nicht alles sofort klamm wird. Währenddessen saß ich in der Rezeption (per Code zugänglich), hab schon mal Text für euch geschrieben und einfach ein bisschen runtergekommen.Dann bin ich erstmal zum Billa und habe mir Abendessen geholt. Heute mal eigene Verpflegung – was bei mir, wie immer, in einer leichten Völlerei endete. (Sorry Christian und Heike) 😀 Später kamen die Campingplatzbesitzer, wir haben den Check-in finalisiert – und ich war überrascht, wie günstig das Ganze war. Sehr gerne! Wir saßen noch kurz zusammen, haben über die Tour gequatscht, und dann sind beide wieder Richtung Wien gefahren.

Das Zelt habe ich am Ende bei leichtem Regen aufgebaut – aber das war kein Problem. Alles verstaut, alles soweit trocken geblieben. Danach: Duschen, essen, ein bisschen Ordnung im Zelt. Und wie das Universum so ist: Als ich fertig gegessen habe, hat es endlich aufgehört zu regnen. So gegen 20 Uhr. Laut Bericht sollte 16 Uhr Schluss sein. Aber naja: Berge und Wetter. Das machen die eben, wie sie wollen.

Jetzt liege ich im Zelt, höre die Klänge der Natur und merke: Auch so ein Regentag kann schön sein – wenn man trocken liegt, warm ist und weiß, dass man genau da ist, wo man sein wollte. Morgen geht es weiter nach Losenheim, rund 20,4 km.Und ich bin bereit. (Und die Hose hoffentlich auch.)