(oder: Wie ich schon am ersten Tag lerne, dass Öffnungszeiten ein Konzept sind.) Die Nacht war überraschend okay – und zehn Minuten vor dem Wecker war ich sogar schon wach. Der hätte um 6:30 Uhr klingeln sollen, aber mein Körper dachte sich offenbar: „Peer, heute ist großer Tag. Aufstehen. Jetzt.“ Also: Restliche Sachen zusammenpacken, letzter Blick ins Zimmer, einmal tief durchatmen – und ab zum Frühstück. Zum Glück gab es das schon ab 7:00 Uhr, sodass ich halbwegs pünktlich starten konnte.
Draußen sah es allerdings erstmal nach „Wien in Grau“ aus: bewölkt, irgendwie schwer in der Luft, so dieses Wetter, das einem nicht direkt ins Gesicht sagt „Ich regne gleich“, aber schon mal drohend mit den Wolkenbrauen zuckt.
Zwei Stunden warm laufen – und plötzlich: Déjà-vu deluxe.
Die ersten knapp zwei Stunden liefen richtig gut. Und dann kam der Moment, der mich selbst zum Grinsen gebracht hat: Ein längerer Abschnitt durch Wien war genau der Rückweg meiner gestrigen Stadttour. Nur diesmal ohne Menschenmassen. Plötzlich wirkten die Sehenswürdigkeiten wie in der Frühschicht: still, freundlich, nicht ganz so laut. Ich hab’s genossen – so, als würde Wien mir zum Abschied nochmal kurz die Hand geben.
Kurz vor Schloss Schönbrunn dann der erste kleine Regen. Nichts Dramatisches. Aber das Radar meinte kurz danach: „Halt mal mein Bier.“ Es sah nach deutlich mehr Wasser in den nächsten 20 Minuten aus. Und was mache ich, wie jeder seriöse Fernwanderer mit hochprofessioneller Wetterstrategie? Ich hänge an einer Bushaltestelle rum und warte, bis das Gröbste durchzieht. 😀Vielleicht springt ja auch eine Spende raus, wenn mich jemand mitleidig anschaut. Wer weiß. Ich habe die Zwangspause direkt als Pause verkauft – obwohl es eigentlich nicht nötig war. Aber ganz ehrlich: Ich hatte keine Lust, auf Etappe 1 schon im vollen Regen-Ornat durchs Leben zu rascheln.
Die Entscheidung war goldrichtig: Es hat dann ordentlich runtergehauen – aber kein Gewitter, zum Glück. Und gegen 11 Uhr ging’s weiter, Komoot zeigte noch knapp 19 km an, und plötzlich kam sogar wieder die Sonne durch. So schnell kann’s gehen.
Hundepark & Mini-Schauer – Wien verabschiedet sich
Zwischendurch hab ich einen Hundepark gesehen, bei dem man locker hätte zwei Stunden stehen bleiben können, einfach nur um zuzuschauen, wie Hunde mit 200% Lebensfreude über die Wiese schießen. Und immer mal wieder: kleine Schauer. So kurz, dass man sich fragt, ob es überhaupt zählt. Nach etwa 17 km habe ich Wien dann endgültig verlassen. Und ab da wurde es langsam so, wie ich es mir vorgestellt hatte: weniger Stadt, mehr Weg, mehr Grün – und die ersten „echten“ Wellen im Gelände.
Perchtoldsdorf, erste Berge – und natürlich: ab ins Dickicht.
Noch 11 km bis zum Ziel. In Perchtoldsdorf kamen die ersten Hügel, und natürlich durfte der Klassiker nicht fehlen: Ein kleiner Abzweig ins Dickicht, um gefühlt 100 Meter Umweg zu sparen. 😀 Am Ende war’s wahrscheinlich mehr Aufwand als Nutzen, aber was soll’s: Tradition ist Tradition. Der Weg selbst war danach richtig schön: gut ausgebaut, durch Wald, über Wiesen – genau diese Art von Strecke, bei der der Kopf endlich runterfährt und der Körper in so einen ruhigen Takt findet. Das ursprüngliche Ziel war das Höllensteinhaus.
Öffnungszeiten… diese Endgegner
Und jetzt kommt der Moment, an dem ich kurz innehalten musste – nicht wegen der Höhenmeter, sondern wegen meiner Planung.Wenn man sich mit dem Buchen der Unterkünfte vielleicht mal bissl eher beschäftigt hätte, bevor man Anreise und Co. plant, hätte man nämlich sehen können: Das Höllensteinhaus hat nur Donnerstag bis Sonntag geöffnet. Und um die Sache komplett rund zu machen: genau das gleiche Problem bei der Peilsteinhütte, dem Ziel der 2. Etappe. Naja. Das Übliche halt. 😀 Da läuft man dann eben durch. Oder weiter. Oder anders. Oder alles zusammen.
Beim Schreiben musste ich an 2016 denken, an München–Venedig: Dieser Moment am Piz Boè, als uns ein Wanderer entgegenkam und meinte, es wären noch vier Plätze frei und ich das lautstark nach hinten trällerte – und Sebastian aus der Gruppe brüllt: „Das sind unsere vier Plätze, die wir vorhin gebucht haben, du Idiot!“ Nur, weil… naja. Nostalgie muss sein. 😄
Sulz & die Lindenhof Pension – Herz statt Hüttenstress
Und dann: Plot Twist in gemütlich. Der kleine Umweg nach Sulz zur Lindenhof Pension hat sich nämlich richtig gelohnt. Eine tolle kleine Unterkunft, geführt von einem älteren Paar – herzlich, warm, liebevoll eingerichtet. Ich wurde empfangen, als wäre ich ein lange erwarteter Gast, und direkt zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Später auch noch zum Abendbrot. So ein Moment, wo man merkt: Nicht alles muss nach Plan laufen, damit es gut wird. Manchmal wird’s genau deshalb gut.
Und wettertechnisch? Ich hatte richtig großes Glück. Abgesehen von dem großen Guss am Vormittag und zwei Mini-Schauern war da nicht viel. Es war zwar windig und manchmal so leicht sprühig… so wie wenn man mit mir redet. 😀
Technikdrama, gelöst – und ein runder Abschluss
Ein kleiner Haken: Komoot und die Garmin-Uhr haben bis zur Bushaltestelle nicht so richtig harmoniert. Die App hat sich auf der Uhr immer wieder selbst beendet. Aber die Bushaltestellenpause war ja nicht nur fürs Wetter – ich hab sie fürs Troubleshooting genutzt. Und siehe da: Problem behoben. Danach lief alles bis zum Schluss einwandfrei.
Eckdaten grob – Start–Ziel:
- Zeit: ca. 08:00–15:30 Uhr
- Distanz: 32,8 km
- Höhenmeter: +650 / -440 m
Es wäre definitiv noch mehr gegangen. Aber ganz ehrlich: Am ersten Tag muss man ja nicht gleich wieder übertreiben. Nach Kaffee, Kuchen und einem netten Gespräch ging’s erstmal unter die Dusche, dann noch kurz in den örtlichen Laden für ein paar Kleinigkeiten – und jetzt lasse ich den Tag ruhig ausklingen. Morgen geht’s weiter… zur Peilsteinhütte. Ach nee… stimmt ja. Es geht nach Furth. 😀














































