Alpenüberquerung
Wien - Nizza

52. Etappe: Alpe Brunedo – Alp Cottino

Diese Nacht habe ich zwar verhältnismäßig gut geschlafen, aber das Lager mit den weiteren 4 Männern war offensichtlich ein Schnarchquartett. Da war wirklich alles vertreten. Variante Atemnot und „die Tiefe Röhre“ durften natürlich auch nicht fehlen. Zum Glück hatte ich Ohrstöpsel drin. Ohne diese, hätte ich diese Nacht keine Chance gehabt. Das war echt heftig. Ich musste gegen 4.15 Uhr mal raus und schlief dann noch mehr oder weniger 2 Stunden. 6.15 Uhr stand ich auf und ging ins Bad, bevor der Rest des Hauses wach wurde. Ich nahm dann auch meinen Kram mit raus, um nicht mit der Raschelei der Tüten, die Leute zu nerven.

Als ich mit allem fertig war, ging ich runter zum Frühstück gegen 7 Uhr. Das dauerte noch einen Moment, was nicht schlimm war. Maya und Lucky vertrieben mir die Zeit. Das waren die 2 Hunde des Hauses. Gerade der kleinere Lucky kam an mit großen und strahlenden Augen und freute sich über die kleine Streichel- und Massageeinheit. Er machte es sich auch direkt auf meinen Füßen bequem und genoss das ganze. Zum gereichten Frühstück gab es ein großes leckeres Omelett, dazu eine kleine Wurst-Käse-Platte, Brot und Milchkaffee. In Summe war es mehr als ausreichend. Wenig später kam auch der Hüttenwirt in die Gaststube und zog sich auch erstmal ein Käffchen. Als ich fertig war mit essen, bezahlte ich noch meinen Deckel und dann ging es gegen 7.45 Uhr straffen Schrittes voran

Wetterlage heute wurde von mir kritisch bewertet. Während des Frühstücks studierte ich verschiedene Wettermodelle, da bereits Gewitter auf dem Weg waren. Ich glich meine Position mit der ungefähren Zugbahn ab und musste zusehen, dass ich fix hier weg kam, um seitlich hinter der Zelle aus der Zugbahn rauszulaufen. An sich sah der Himmel dort noch sehr schick aus, aber nach dem ersten Anstieg bzw. der ersten großen Weggabelung sah es gleich ganz aus und war in der Ferne auch gut hörbar. Laut Radar zog es aber seitlich vorbei. Trotzdem muss man sowas immer mit Vorsicht genießen, da Gewitterzellen auch gern mal ausscheren, wenn es schöne energiereiche Luftmassen zu naschen gibt. Also behielt ich das alles immer schön im Auge. So etwas ist halt auch ein Stressfaktor beim Laufen und treibt die Perfomance. Gestern checkte ich auch den Trail sehr genau zwecks Unterstellmöglichkeiten usw., damit ich weiß, wo ich mich zur Not in Sicherheit bringen kann.

Die dunklen Wolken waren dann auch mittlerweile sehr nach sm Trail, aber ich wusste das schon im Vorfeld. Hier und da traf mich mal einer kleiner Tropfen, aber für Raincover und Regensachen viel zu wenig. Das sah beim Blick nach oben  total krass aus. Graue Wolke und daneben blauer Himmel. Noch mehr Grenzerfahrung ging nicht. Der Wind frischte auch etwas auf, aber es waren immer noch angenehme Temperaturen. Dann zogen die Wolken so etwas Richtung Alpe wo ich her kam. War gut, dass ich fix rausgelaufen war und somit blieb ich trocken.

Dann begann der schwierigste und damit verbunden der gefährlichere Part. Ich stieg auf einen Berg und lief dann ganze Zeit oben am Grat entlang. So etwas ist natürlich auch etwas heikel bei so einer Wetterlage, weil wenn was kommt, hast du halt kaum bis keine Chance zu entkommen. Daher prüfte ich vor dem Einstieg noch mal das Radar, ob ich dort lieber an dem Rifugio unterwegs bleibe und warte oder weiterlaufe. Die Zeichen standen gut und stieg in den Grat. An sich eine schöne Wanderung, aber auch anspruchsvoll, da man hier und da auch etwas rumkraxeln musste. Aber mit entsprechender Vorsicht wählte ich meine Schritte und  Tritte genau, um kein unnötiges Risiko einzugehen. Natürlich kostet so etwas auch Zeit, aber nach dem letzten Radarbild hatte ich Sicherheit, dass ich sicher und trocken durchkommen werde.

Somit ging es rauf und ab auf dem Grat und die Berge hoch und runter. Die Wege waren teilweise echt sehr schmal und durch das Grünzeug musste man schon genauer hinschauen, wo man hintritt, um nicht ins Leere zu gleiten, nach allen Seiten. Natürlich war wieder weit une breit niemand zu sehen, bis ich dann nach dem Grat 2 Italiener traf. Wir quasselten kurz über die Wege und Wetterprognose. Da ich in der Schweiz bereits war und noch kein Trafficpaket aktiviert, wie letzte Woche, hatte ich natürlich keine mobilen Daten an. Aber danach wurde der Weg sehr einfach und ich sah auch immer mehr andere Leute, die von verschiedenen, anderen Wegen kamen. Ab dem Sasso Basciotta (2073 m) ging es dann nur noch steil und direkt bergab, auf einen anspruchslosem Weg. Am Gipfel machte ich noch ein unkommentiertes Rundumvideo, da dort noch andere Leute waren.

Dann ging es entspannt abwärts, vorbei am Rifugio und der Capanna San Lucio zur Alp Cottina, die ca. 10 Minuten entfernt lag. Ich lief gemütlich daher und kam an. Ich ging hinein und 3 sehr freundliche und junge Leute stellten sich vor. Ich war etwas überrascht den Dialekt überrascht gewesen von Julian, Nina und Carolin. Julian zeigte mir fix mein Zimmer, was ich diese Nacht für mich habe. Ich stellte mein Zeug ab, ging raus vor die Tür zum Schuhe ausziehen, da doch einiges im Schuh gelandet ist. Nina brauchte mir einen Pitcher Wasser während Julian und ich ins Gespräch kamen. Ich habe dann natürlich gefragt, dass sie keine Schweizer waren, was sie auch bestätigen. Ich tippte mit Richtung Hamburg sehr gut, aber noch viel lustiger war, dass sie in Leipzig wohnen.😅 Absolut verrückt. Julian klingt vom sprechen her, fast genau wie Pasi, daher konnte ich fast punktgenau zuordnen woher sie kamen. Im Nachgang freute ich mich umso mehr, dass das Rifugio oben mir eine  Absage erteilt hatte, da ich sonst hier nicht gewesen wäre.

Ich sprang dann erstmal unter die Dusche, wusch die Klamotten und gönnte mit das Datenpaket, damit ich in der Schweiz auch online sein kann. 1 GB reichte mir völlig aus. Daher Bild- und Videomaterial morgen, wenn ich in Lugano WLAN habe. Anschließend setzte ich mich auf die Terasse, aß paar Snacks, las und Julian gesellte sich noch dazu. Wir quasselten etwas über die Alp, machten uns besser bekannt und es gab noch 2 Stück leckere Melone. Julian ist ein absolut korrekter Typ, der viel aus der Alp gemacht und entwickelt hat. Es ist aber keine Alpenvereinshütte oder ähnliches, sondern hängt an einer Organisation, man die Hütte nicht pachtet, sondern direkt angestellt ist. Auch ein spannendes Modell, wie ich finde. Die Lage ist herrlich ruhig und beschaulich. Perfekt zum Entspannen (WLAN gibt es nicht, aber relativ guten normalen Empfang). Meine klare Empfehlung die Alp Cottino. Da es in der Sonne doch recht warm wurde, legte ich mich auf mein Bett und begann bereits den heutigen Blogbeitrag. Nach Absprache entschieden wir uns 18.30 Uhr auf Abendbrot.

Als Vorspeise gab sehr leckere mit Käse überbackene Auberginenstücke mit Joghurt-Dressing und 2 getoastete Brotacheiben und als Hauptspeise Nudeln mit Rindergualsch und Pilzen. Absoluter Wahnsinn, wie zart und lecker das war. Ich durfte sogar Nachschlag bekommen. Jeder Bissen war ein genuss auf der Terasse im Sonnenschein. Das alkoholfreie Bierchen durfte auch nicht fehlen. Also Dessert wurde eineä kleines Linzer Törtchen serviert, welches auch hervorragend gemundet hatte. Satt, glücklich und zufrieden. Danach standen Julian und ich noch eine Weile auf der Terrasse und haben über Gott und die Welt gequatscht, bis die Sonne weg war. Danach hieß es, ab in die Koje.