Alpenüberquerung
Wien - Nizza

27. Etappe: Woyalerseehütte – Hochweißsteinhaus

Diese Nacht war recht lang gefühlt, da unser Zimmer gestern schon so gegen 20 Uhr sich schlafen gelegt hat. Ich hatte noch rumgelegen und Schach auf dem Handy gespielt, bis ich dann auch müde war. Kurz nach 4.00 Uhr war ich dann schon so semi wach. Ich habe noch versucht einzuschlafen, aber mehr als rumdösen, war es am Ende auch nicht. Frühstück gab es heute schon 6.30 Uhr. Das war gut in mehrlei Hinsicht, zum einen musste ich zu lange warten und konnte auch beizeiten starten. Heute war die Regen- und Gewitterneigung deutlich erhöht. So war mein letzter Stand vor 2 Tagen. Da wird sich sicherlich nicht viel geändert haben. Martin und Daniel waren dann auch kurz vor 6 Uhr wach und wir haben uns fertig gemacht und sind dann runter zum Frühstück.

Ein hüttengängiges Buffet war bereits aufgebaut und man konnte direkt loslegen. Gut gestärkt ging es dann gegen 7.20 Uhr heute schon los. Ein fantastischer Ausblick auf den See und die Berge ringsherum lasse ich nun hinter mir. Da hier kein Internet war, musste ich die Navigation wieder mit dem Handy vornehmen. Das ging mir heute irgendwie tüchtig auf den Zeiger, da das Display jedes Mal angeblieben ist und dadurch Berührungen stattgefunden haben, hat der Track mal pausiert oder abgebrochen. Glücklicherweise war dann das Hochweißsteinhaus dann beizeiten an den Wegweisern ausgeschildert, sodass ich den Wegmakierungen einfach folgen konnte. Daniel und Martin hatten mir gestern Abend noch die Stelle gezeigt, wo man Telefon- und Internetempfang hat. Aber bis dahin gab es erst einmal ordentlich etwas zu tun im Aufstieg. Ein schmaler Pfad der sich durch eine Steile Wiese nach oben schlängelte. Da öffneten direkt sämtliche Schleusen am Körper. 😀

Damit war ein schwieriger Part für den Tag heute erledigt. Oben angekommen offenbarten sich wieder ganz fantastische Ausblicke auf den Karnischen Höhenweg. Unfassbar eindrucksvoll. Das Wetter hatte auch mitgespielt, sodass man weit schauen konnte. Danach überschritt ich die Grenze von Österreich nach Italien und dann kam auch die besagte Stelle mit Empfang. Fix Blogbeitrag, Unterkünfte gecheckt und gebucht, Wetterprognose angeschaut und dann ging es auch schon weiter. Die mühsam erarbeiteten Höhenmeter musste ich nun wieder abgeben mit einem langgezogenen Abstieg. Aber so ist das in Bergen nun mal.

Nach dem Abstieg folgte noch einmal ein knackiger Anstieg und der Himmel verdunkelte sich nun auch langsam. Sonst sollte dien Gewitterneigung mit knapp 20% recht hoch sein. Also wählte ich ein gutes Tempo, dass das ich gut und sicher ankomme bzw. falls jetzt was kommt, dass ich noch Körner habe für einen Finalsprint. Es waren zwar nur 1,6 km zur Hütte, aber eben viele Höhenmeter dazu. Das ist auf jeden Fall schweißtreibend. Als ich dann an der Kehre war sah, der Himmel schon etwas gewittrig aus. Aber das war jetzt kein Problem mehr. Ich bin gemütlich die letzten 10 Minuten zur Hütte abgestiegen und war dann ca. 12.15 Uhr da. Knapp unter 5 Stunden war ok, mit Internetpause und “Hydration break” am Wasserfall. Check in war allerdings erst 14 Uhr. Also nutzte ich die Zeit meine Sachen zu waschen und bei Wind mit Sonne trocknen zu lassen. Der Hunger machte sich nun auch bemerkbar. Ich könnte mir ein Skiwasser und einen leckeren Salat. Was sich hier dann abspielte, war ein halbes Volksfest. Plötzlich tönte lauter Musik aus der Gaststube. Der Hüttenwirt ist heute 40 geworden und da wurde nachmittags etwas zelebriert. Gitarre, Trompete und Akkordeon lieferten traditionelle Volksmusik und lautstarker Gesang. Zugegeben war mir das eine Spur zu viel und laut, also beobachtete ich nur vom Rand aus das Ganze. In der Gaststube war auch eine Wärme und Luft.. das war schon bissl reudisch. 😀

Wenig später wurde dann der Check in vollzogen und ich konnte statt Lager in ein 4 Bettzimmer. Vor mir war eine ältere Dame dran und wir waren dann sogar im selben Zimmer. Als wir das Zimmer bezogen, machten wir uns bekannt und kamen natürlich ins Gespräch. Brigitte und ich quatschten gefühlt fast 2 Stunden über das Wandern, Highlights, die Etappen usw. Eine tolle Begegnung auf jeden Fall. Sie hat den Traumwanderpfad München-Venedig auf bereits gemacht und war sichtlich begeistert. Verständlicherweise! 😀

Als ich mich für das Duschen fertig gemacht habe, ein kleiner Schreckmoment. An der Hüfte hing eine Zecke. Also Medi-Kit geschnappt und versucht zu entfernen. Blöder Mist war, ich hatte sie nicht gänzlich erwischt. Ich hatte nur den Körper abgerissen. Hmpf. 😡 Ich hatte gesehen, dass der Kopf noch drin steckte. Ich hatte versucht das mit der Pinzette nachzugreifen, aber ich habe es einfach nicht gepackt bekommen. Der Kopf steckte zu tief drin. Also kam die Nadel zum Einsatz und ich habe versucht, dass dann wie ein Splitter rauszuholen. Das funktionierte auch nur semi. Also bleibt nur eins – Operation. 😀 Ich habe noch einfach mal die Pinzette genommen und etwas tiefer ins Fleisch gegriffen und solange verfleddert, bis es raus war. Desinfiziert und Regulattupfer mit Pflaster drüber. Dann sollte das in Kürze wieder erledigt sein. Tut glücklicherweise nicht weh. Gleich den ganzen Körper noch einmal abgecheckt, ob blinde Passagiere dabei sind, mit negativem Ergebnis.

In der Zwischenzeit zog auch ein Gewitter ganz knapp bei uns vorbei. Es tröpfelte nur, aber auf dem Trail, wo ich morgen lang muss, hat es wohl welche voll erwischt. Sogar mit Hagel. Das es eine ordentliche Gewitterzelle war, war auch gut zu sehen am Eisschirm und Mammatuswolken. Die Meso hat man hinter dem Berg leider nicht gesehen. Aber wenn sie Hagel geworfen hat, muss es ordentlich gewesen sein.

Die Zeit bis zum Abendbrot 18 Uhr verbrachte ich mit Stretching und Massage, damit die Beine morgen für die Königsetappe auf dem Karnischen Höhenweg fit sind. Das Abendbrot war echt lecker. Als Vorspeise gab es einen Salat und Nudelsuppe, gefolgt vom Hauptgang mit Schweinebraten, gegahrtem Gemüse und Knödel. Als Dessert eine kleine Joghurt-Obst-Creme. Danach war ich gut satt. Während und nach dem Essen hatten Brigitte und ich noch gequatscht, bis es dann hieß, Schlafenszeit. Also wurde der Deckel bezahlt und ich habe mich Bett fertig gemacht. 21 Uhr lag ich in der Koje und morgen ist wieder 6.30 Uhr Frühstück angesagt. Das ist gut, dass es so zeitig ist, da ich dann wieder zeitig starten kann.