Alpenüberquerung
Wien - Nizza

19. Etappe: Tamsweg – Dr.-Josef-Mehrl-Hütte

Pünktlich 6.00 Uhr war ich wach, nachdem es in der Nacht doch recht warm gewesen ist und ich eigentlich erst 6.30 Uhr aufstehen wollte. Der Biorhythmus ist nun einfach so eingestellt. Ich habe in Ruhe mich und mein Zeug fertig gemacht und bin dann 7.00 Uhr pünktlich runtergegangen zum Frühstück. Es war offensichtlich an dem Morgen nicht viel los, da nur mein Gedeck und das für ein anderes älteres Paar auf den Tischen stand. Aber das Buffet war trotzdem absolut in Ordnung inkl. einem frischem Ei. Also habe ich mich sehr gut gestärkt, da heute die Etappe ein etwas anderes Kaliber sein wird. Gegen 8.00 Uhr die Schlüssel abgegeben und los ging es. Der “Run” gegen das Wetter.

Gegen 13 Uhr war Gewitter in der Zielregion an der Dr.-Josef-Mehrl-Hütte angesagt und die Komoot-Routenplanung (Tempo: schnell) sagte ca. 6:15 h Aufstiegszeit zur Hütte auf 24,5 km. Mit 8.00 Uhr Start, kann sich jetzt jeder selber ausrechnen, wann ich dort wäre. Also war der Plan heute: “Power-Etappe”. Alles rausholen, was der Motorblock in der Brust heute hergibt. Ich wollte unbedingt über die Klölingscharte (2116m) kommen, bevor das Gewitter da ist, da es doch ein Stück über der rettenden Baumgrenze ist.

Also wurden die schnellen Schuhe geschnürt. Glücklicherweise lag Tamsweg noch in einer Wolke, die mich vor der Sonne geschützt hat. Nachdem ich den Ort verlassen hatte, ging es relativ lange am Fluss neben einer Schmalspurbahn und einem schön ausgebauten Weg entlang. Immer wieder kreuzten Radfahrer und Jogger meinen Weg. Es ging etwas abwärts bis Ramingstein, welches 7,5 km entfernt war. Da konnte ich zeittechnisch gut wirtschaften und holte bereits über 20 Minuten raus gegenüber der Streckenplanung. Doch am Horizont sah man bereits die ersten Quellungen und Türme in den Himmel ragen. Noch nichts dramatisches, da diese noch fluffig weiß waren.

So wie ich Ramingstein verlassen hatte, ging es kontinuierlich nach oben. Nicht sehr steil, aber spürbar belastend. Mittlerweile war auch die Sonne dann draußen und über mir. Entsprechend öffneten sich alle Schleusen am Körper und man hätte denken können, ich komme gerade aus dem Regen, wenn man mich sieht. Aber die Stöcke tackerten wie ein 2 Takter und die Füße im Akkord dazu. Immer wieder zwischendurch geschaut, wieviel Zeit habe ich schon rausgeholt und hochgerechnet.

Die Wolken wurden auch langsam voluminöser und dunkler. Irgendwann kam dann das Stoßgebet gen Himmel doch bitte bis 13-14 Uhr auszuhalten, damit ich eine Chance habe. Der Weg war heute gut zu gehen und man konnte stark am Trail performen. Das ist schon krass, wenn man so von der Natur getrieben und gepusht wird. Ich habe dann meinen Atemrhythmus (NOS quasi) einen Gang höher geschaltet, um noch mehr rauszuholen. Die Trinkpausen während des Laufens beschränkten sich dann schon nur noch auf halbe Liter Flaschen, weil es schneller und viel mit einmal war.

Als ich gerade an einer Weggabel auf eine Forststraße abbiegen wollte, hupte mich ein Traktorfahrer zurück, der gerade hinter mir hochgefahren kam. Er fragte mich, wo ich hin wollte. Als ich ihm mein Ziel nannte, verwies er mich auf einen anderen, besseren und einfacheren Weg. Eine Mitfahrgelegenheit zur Karneralm lehnte ich aber ab. Auch wenn es das Risiko natürlich erheblich verringert hätte, wäre es aber doch Beschiss irgendwie. Es lief insgesamt ganz gut, also habe ich dem Bauern mein Vertrauen ausgesprochen und bin seiner Empfehlung gefolgt. Da ich den ursprünglichen Weg nicht wirklich kenne, kann ich jetzt nicht vergleichen, ob die Alternative so besser gewesen ist.

Der Weg war absolut in Ordnung und kam später wieder auf die ursprüngliche Strecke zusammen. Also kein Stress. Ich kam dann auch an der Karneralm an und die Wolken sahen schon deutlich anders aus, aber nicht zu heftig und es war nix zu hören. Man läuft jetzt quasi fast bis an die Klölingscharte ran und muss dann eigentlich auf direktem Wege gerade hoch. Keine Serpentinen oder ähnliches.

Bevor es an das letzte, steile Stück ging, noch ganz kurz Pause gemacht und viel getrunken, um noch Gewicht vom Rucksack zu nehmen. Dann ging es rein in den Hang und ich merkte: „Hui! Das könnte an der Scharte einen taktischen Zwischenkotzer geben. 😀 “ Aber scheiss drauf. Und so wie ich ca. das erste Drittel absolviert hatte, melde sich auch Petrus kurzzeitig in der Ferne zu Wort. “Urrr nejjee. Nicht der Ernst.” Also brüllte ich gen Himmel, den Mist jetzt mal bitte zu lassen. 😀 Die Scharte habe ich dann zum Glück erreicht und es wurde bereits deutlich dunkler, aber mit langsamer Zuggeschwindigkeit. Also spürte ich den Hauch einer Chance es trocken nach unten zu schaffen und schnell aus der Gefahrenzone zu kommen. Weil da oben war absolut nichts zum verstecken oder so.

Auf der Scharte kurz paar Fotos geschossen und Beine in die Hand genommen talabwärts. Aus Wandern wurde dann bergab Joggen. Wie üblich die Stöcke gehalten, wenn es zum “Einsatz” geht, damit die Motivation auch stimmt. Es waren zwar nur noch 2,5 km Entfernung, aber viele Höhenmeter, die noch ins Tal ab zu arbeiten waren. Irgendwie bin ich automatisch ins Joggen gekommen und dann kam einer Gatter, wo man drüber steigen musste. Da wäre mir um ein Haar der erste Krampf in die Wade gezogen. Das wäre bitter gewesen, so kurz vorm Ziel. Aber ich konnte gegendehnen und weiter ging es.

Dann kam ich an der Hütte an. Nass, aber nicht vom Regen, sondern vom Schweiß. Und der Knaller war am Ende: 4,45 h. 😀 Ich behaupte, das war heute persönliche Bestleistun. Nach dem Checkin fix meine Sachen ausgewaschen, geduscht und eine Tüte Haribo verdrückt, um der Übersäuerung gegen zu steuern. Bevor das Ganze sonst an der Toilette endet. 😀 Stretching, Massage und dann auf das Bett legen und erholen. 14.30 Uhr kam das erste kleine Gewitter hier an. Nach 2 Stunden chillen und organisatorische Sachen erledigen, bin ich noch einmal raus gegangen und mich im Anschluss in die Gaststube gesetzt. Die Hüttenwirtin kam auf mich zu und wir haben uns prima unterhalten. Eine sehr sympathische und humorvolle Ungarin. Sehr unterhaltsam und hatten wir hatten viel Spaß.

Dann habe ich meinen Essensbestellung aufgegeben. Schnitzel auf Salat und zusätzlich ein Teller Pommes. Sehr ergiebig und füllend nach dem Tag heute. Zwischenzeitlich habe ich schon den Beitrag vorbereitet und 18.00 Uhr wurde gespeist. Am Nachbartisch saß noch eine ältere Wanderin und wir haben etwas für Wandern und Gefahren beim Wandern gesprochen. Ich habe soviel gequasselt, dass ich kaum gegessen habe.

Nebenbei kam dann nochmal das richtige Gewitter. Und das hatte einiges zu bieten. Starkregen und einige Erdblitze, dass hier die Hütte sogar gewackelt hat. Als Unwetterliebhaber findet man das natürlich schon ganz geil. 😀 Nach dem Essen habe ich meinen Deckel bezahlt und bin aufs Zimmer. Schließlich soll der Beitrag ja noch online gehen.