
Diese Nacht war irgendwie komisch. Mir war zwischen drin total heiss. 😀 Kommen jetzt etwa die Herren-Wechseljahre? Fieber oder so etwas war es zum Glück nicht. Und dann verrücktes Zeug geträumt, dass mir einer meinen alten schwarzen BMW geklaut hat. Ich hatte zwar nie einen, aber sei es drum.
Gegen 6 Uhr war die Nacht vorbei und ich habe mir noch einmal die heutige Tour in Ruhe angeschaut, da ich mal ein wenig Risiko gegangen bin, was die Unterkunft betrifft. Der ursprüngliche Plan war, am Riednersee zu Zelten, aber ich habe als mögliches Endziel die Planneralm gesetzt. Damit war der Fahrplan für den Tag organisiert. Nach dem Aufstehen wurde gepackt und fertig gemacht für das Frühstück gegen 7.00 Uhr. Als ich runter ging, sah ich einen großen Aufsteller “Frühstück 7.30 Uhr” Ich frage mich tatsächlich, wie ich den gestern 2 Mal übersehen konnte. Naja.. das Thema: “Sehen”. 😀
Also wieder rauf ins Zimmer und auf das Bett gelegt. Jetzt war etwas Zeit noch die Wetterkarten im Detail zu studieren, was die nächsten Tage so kommen wird.. oder auch nicht. Die Zeit war im nu rum, also zweiter Versuch und dieses Mal war der Raum geöffnet. Das normale Buffet wie immer gegönnt und ruhig etwas mehr, da der Tag heute länger werden sollte, als üblich. Es gab sogar ein frisch zubereitetes Spiegelei. Nach dem Frühstück noch fix gepackt, Zimmer bezahlt und ab ging die Post gegen 8.45 Uhr.
Angenehme Temperaturen, Sonne, etwas Wind und leicht bewölkt. Perfektes Wanderwetter. Es ging noch ein Stück durch den Ort Rottenmann, dann unter der Autobahn durch und ab Richtung Berg. Der eigentliche Zustieg ins Gelände musste aber noch etwas auf sich warten. Ich musste erst 15 Kilometer Straße absolvieren bis Oppenberg. Glücklicherweise war die Straße nicht viel befahren und war gesäumt mit Bäumen, sodass ich gelegentlich im Schatten laufen konnte.
Während der Straßenwanderung näherte sich ein Auto mit Pferdeanhänger von hinten und wurde immer langsamer bis er neben mir stehen blieb. Ein älterer Herr hatte mir angeboten, mich den Berg noch ein Stück nach oben mitzunehmen. Das war natürlich ein ganz tolles Angebot und sehr gütig von dem Herren. Aber ich habe freundlich abgelehnt, da ich ja gern laufe. Außerdem wäre das ja auch Beschiss gewesen. 😀 Wir haben uns freundlich verabschiedet und er ist dann weiter gefahren. Auch wieder eine ganz tolle “Trail-Magic”, wenn es nötig gewesen wäre. Während ich so lief, bestaunte ich die Berge und saftig grünen Wiesen, die neben den Straßen verliefen.
Im Oppenberg angekommen, wurde erstmal eine kurze Pause gemacht bevor es dann in einen knackigen Aufstieg zum Riednersee ging. Kurz vor dem See hatte ich noch eine kleine Waldhütte gefunden, wo ich gefiltertes Wasser wieder auffüllen konnte an einer Quelle. Aber ich hätte ganze Zeit auf dem Weg schon auffüllen können, weil von allen Seiten kleine Bachläufe aus den Bergen den Weg kreuzten.
Ich blieb immer wieder stehen und drehte mich um, um die tolle Fernsicht zu genießen. Dann musste ich relativ nah an ein Kuhherde vorbei. Aber kein Problem. Die saßen gemütlich da und haben geschaut wie ich dran vorbei geschlendert bin. Dann kam leider eine kleine Regenwolke als ich am Oberrieden war, aber nach 5 Minuten war der Spuk zum Glück auch wieder direkt vorbei. Der Schirm und das Rucksack Raincover haben völlug genügt.
Dann wurde es zunehmend steiler und anstrengender, je näher der See bzw. die Seen kamen. Als ich den Riednersee erreicht hatte, bot sich mir ein kleiner Einblick ins Paradies. Ein herrlicher Gebirgssee. So ein toller Fleck Natur. Man wurde einen Moment emotionell. Dann folgte ein kleiner Aufstieg zum Oberen Riednersee. Eigentlich war hier mein Etappenziel, aber es war noch nicht einmal 13 Uhr. Also ging ich weiter.. bergauf.
Auf der Uhr standen noch 8 km Rest bis zur Planneralm. Da war mir klar, dass ich heute dort hingehen werde. Es folgte dann ein doch recht anspruchsvoller Aufstieg zur Seekoppe (2150m). Der Anstieg war recht steil, aber der Weg relativ gut begehbar. Das macht es natürlich etwas leichter. Wenn man seinen Rhythmus hat und nicht zu schnell macht, arbeitet man sich kontinuierlich nach oben. Das Gipfelkreuz im Blick, war dann der Aufstieg auch endlich geschafft. Statt Bilder gibt es ein kleines Gipfelvideo.
Natürlich habe ich mich noch ins Gipefelbuch der Seekoppe eingeschrieben. So wie ich das Metallbuchfach geöffnete hatte, kam mir schon ein zerfledertes braunes Buch entgegen. 😉 Fix eingeschrieben und weiter ging es. Der Wind da oben war recht frisch und ich etwas angeschwitzt.
Nach dem Video kam mein ganz persönlicher „Bad Tölz“ Moment. Als wir 2016 von München nach Venedig gelaufen sind und bei der Etappe nach Bad Tölz, hatten wir immer die Hoffnung, dass nach der Kurve endlich der Ort kam, weil wir echt fertig waren. Im Video hatte ich gesagt, dass jetzt noch 6 Kilometer Abstieg anstehen. So wie ich weiter ging, baute sich auf dem Weg irgendwie der nächste Berg auf. Ich so: „Hä? Warum?“ Also habe ich auf dem Handy in die Etappe reingeschaut. Warum ist da immer noch soviel roter Anstieg im Höhenprofil?
Ja, nach der Seekoppe kam noch der Aufstieg zum Hochrettelstein. „URRR NEEJJ!!!“ Wie soll das jetzt gehen? Das Zahnfleisch. Aber irgendwie war das kein Problem da hoch. Im Video oben bei 0:19 ist der nächste Gipfel zu sehen. Es setzte so etwas, wie das Runners High ein. Der Körper funktionierte wie eine Maschine zum Gipfel hinauf. Sehr geil. Selbst nach dem Gipfel beim tatsächlichen Abstieg war kaum ein Leistungsverlust zu spüren. So fetzt das natürlich. Das Material war super, das Wetter war super, keine Blasen an den Füßen. Nach genau 7 Stunden kam ich an der Planneralm an. Eine kleine Unterkunftsiedlung für die Wintersport Saison. Ich klapperte gefühlt fast das gesamte Dorf ab, aber alles zu. Dann noch ein Gasthof weiter oben. Da brannte zumindest Licht. Also bin ich da noch hin und habe nach einem Zimmer gefragt.
Und ich hatte Glück. Im Alpengasthof Grimmingblick konnte ich noch ein Zimmer inkl. Halbpension für 98 Euro ergattern. Ein schneller und unkomplizierter Checkin und erst einmal geduscht und ganz wichtig. Stretching und Massage, ergänzt durch ein Magnesium-Cocktail. Wie immer herrlich nach so einer anstehenden Tour. 18 Uhr wurde ich in der Gaststube freundlichst von der Gastwirtin begrüßt mit den Worten: „Du bist sicherlich der Fernwanderer. Wie heißt du eigentlich?“ Wir haben uns kurz bekannt gemacht und kurz ein paar organisatorische Sachen geklärt. Es folgte ein kulinarischer Hochgenuss. Es gab einen freiverfügbare Salatbar und dann ein 3 Gänge Menü. Siehe Bilder unten. Es war so verdammt lecker. Also ich kann den Alpengasthof Grimmingblick nur wärmstens empfehlen. Nach einem kurzen Plausch, war ich um die Erkenntnis reicher, dass hier schon mehrere Fernwanderer vorbei kamen, die auch nach Nizza wollten. Oder einer ist vom schwarzen Meer nach Spanien unterwegs. Auch richtig krass.
Nachdem ich nun kugelrund und wohlgenährt bin, schreibe ich meinen Blogeintrag zu Ende und gehe ins Bett.
Mein persönliches Highlight heute: Der Riednersee und die Gipfel natürlich. Was hier die Natur darbietet, entschädigt jeglicher Anstrengung. 😀





















































