
Diese Nacht hatte ich leider nicht so gut geschlafen, da es in dem Hotel mega hellhörig war und die Italiener technische Schwierigkeiten mit Türklinken haben. Das erklärt auch, dass die häufig in den Rifugios keine Türen, sondern Vorhänge haben. Einige dachten, die sind alleine in dem Hotel. Trotz Ortspöpsel hörte man alles bis 22 Uhr und ab 5.30 Uhr. Egoistische Falotten! Zum Glück gab es schon 7 Uhr Frühstück, denn ich wollte einfach nur noch weg. Also alles fix gepackt, gegessen und kurz nach 8 Uhr fort.
Es war draußen angenehm mild und leicht bewölkt. Perfektes Startwetter und los ging es mit ein paar Meter am Ort entlang und steil nach oben. Direkt gut angeschwitzt und der Muskelkater war auch im Nu rausgelaufen. Ich ging mal etwas Waldweg und mal etwas Straße. Dann ging es wieder etwas steiler hinab zum Torrente Viola Bormina, dem ich eine Weile folgte. Es folgte der zweite knackige Anstieg, der noch etwas länger war als der erste. Aber Waldweg war so schön, dass ich ihn einfach genoss, obwohl er so steil war. Es machte einfach Spaß.
Der Weg kam dann auf einen Mountain-Bike Trail, den sich Wanderer und Biker teilen müssen. Das funktionierte gut mit gegenseitiger Rücksichtnahme. Während ich so lief, kamen mir immer wieder Leute im roten Shirt und orangenen Warnwesten entgegen. Bei den ersten beiden dachte ich erst. Urr nee.. ich bin hier jetzt aber nicht in einem Jagtrevier gelandet oder so. Da sie keine Schießeisen dabei hatten und auf einmal an jedem Wegweiser so jemand saß, wird es wohl auf ein sportliches Mountain-Bike Rennen hinaus laufen. Später kam ich auch an einem Versorgungspunkt vorbei. Die Verführung war groß dort mal einimzukehren. Das Glück war auf meiner Seite, dass ich dann zeitnah von der Piste abgebogen bin, Richtung Rifugio Viola, bevor die ganzen Biker kamen.
Heute lief der Körper wieder richtig rund, nach der gestrigen Einstandsetappe. Knapp 22 km wurden zügig weniger und ich gewann gut an Höhe. Mit dem Verlassen der Baumgrenze offenbarten sich ganz fantastische Ausblicke. Gigantisch. Mit dem erreichen des Rifugios Viola wurde es auch merklich touristischer. Viele Menschen usw. sodass ich dort einfach vorbei lief und direkt hoch zum Pass gelaufen, wo sich die Grenze zwischen Italien und der Schweiz befindet. Ab hier war dann niemand mehr und ich konnte den Trail für mich genießen.
Mit dem überschreiten der Grenze fühlte ich mich auch direkt arm. Nicht nur die Preise in der Schweiz gehen steil, sondern auch die Berge. Ich folgte einem Bergpfad, der schon etwas mehr Aufmerksamkeit und Trittsicherheit bedarf. Manche stellen waren schon tricky. Da es auch sehr trocken war, waren manche stellen durch den Staub so etwas rutschig und ich bin tatsächlich einmal ein kleines Stück am Hang weggerutscht. Konnte mich aber gut fangen und ausbalancieren, sodass nix passiert ist und ich einfach weiter ging. Die letzten 3 km gingen durch Blockgelände und Wald. Man hatte das Gefühl in Kanada zu sein, obwohl noch nie dort war. 😅
Die Ausblicke erst von oben auf Lagh da Val Viola und den Lagh da Saoseo waren spektakulär. Auch als ich daran vorbei kam, erwartete mich dort eine traumhafte Kulisse. Nun war es nur noch ein Katzensprung bis zur Hütte Saoseo. Ich war gegen 13.30 Uhr da und konnte sogar schon mein Bett in einem 6 Bettzimmer beziehen, wo bereits 3 Betten belegt waren. Ich begann mit meiner üblichen Ankommroutine und es gab draußen sogar Wäscheständer, um die Sachen in der Sonne und den Wind fix trocknen zu lassen.
Als ich wieder kam saß ein Mädel oben auf dem Bett und wir grüßten freundlich. Ich machte es mir auf meinem Bett bequem, als weniger später der Vater und Bruder von dem Mädel noch ankamen. Selbstverständlich quasselte man etwas und stellte fest. Dresdner! 😂 Welch glücklicher Umstand. Wir machten uns bekannt, Ella, Theo und Papa Markus. Der weibliche Part stößt erst später die Tage dazu. Die 3 starteten noch einmal zum Lagomh da Saoseo um zu baden (die Wahnsinnigen 😅 ). Ich lag noch eine Weile und ging dann auch raus, um mir die Umgebung anzusehen. Vor der Hütte fährt sogar ein Bus, der stündlich vorbei kommt.
Ich packte mich dann auf die Terasse und genoss das schöne Wetter bei einem kleinen Nickchern. Die Terasse war etwas abseits von der Gastronomie, sodass ich meine Ruhe hatte. Das war super. Es folgte dann noch Stretching und Massage, damit die Beine morgen wieder fit sind. Die 22 km mit knapp 1400 hm hoch und 800 hm runter, gingen heute mal wieder in einem Stück in 5,5 Stunden (berechnet waren 6,5 Stunden). Auf gut deutsch.. wir kommen zurück – Lauffitness. In ein paar Tagen kommt wieder eine Leistungserfassung vom Rifugio Cristina zum Bivacco Scermendone. Wenn es gut läuft, laufe ich vielleicht noch weiter. Mal schauen 30 km, 2000 hm hoch und runter.
19 Uhr gab es dann Abendbrot beginnend mit einer Pilzcremesuppe und dann gefolgt von Gulasch mit Kartoffelbrei. Das Dessert ließ dezenz lange auf sich warten. Danach ging es dann ins Zimmer und Augen gefühlt direkt zu. Ist der Plan zumindest. Mal schauen, ob das so klappt.















































