Alpenüberquerung
Wien - Nizza

43. Etappe: Stilfs Dorf – Stilfser Joch

Diese Nacht hatte ich relativ gut geschlafen, außer nach einer kurzen Pause, hatte ich Schwierigkeiten einzuschlafen. Aber es ging dann doch und ich schlief bis ca. 6 Uhr durch. Ich stand auf und begann mit der morgen Routine. Bis pünktlich 7.00 Uhr zum Frühstück war ich mit allem fertig und hatte mir für heute versucht, verschiedene Pläne zurecht zu legen, je nachdem wie das Wetter mitspielt.

Plan A war nur bis zur Prader Hütte und dann absteigen, alternativ mit der Seilbahn runter ab der Furkelhütte und mit dem Bus hoch zum Stilfser Joch.

Plan B wäre noch ein Stück weiter gewesen, bevor dann der längere, exponierte Streckenabschnitt begann. Da will man bei Gewitter nicht sein. Und ab 12 Uhr waren bereits 60% Gewitterwahrscheinlichkeit drin. Das ist schon nicht unerheblich.

Plan C: Zeitig los nach dem Frühstück und zügig durchlaufen. Das alte Spiel ist ja nicht neu, wenn man das Wetter challanged.

Nach dem Frühstück bekam ich noch einen Anruf, der etwas länger ging und ich kam erst 8.20 Uhr rum los, wo mit Plan C schon mal hinfällig war. Das Frühstücksbuffet war absolut super gewesen. Es fehlte wirklich an nichts. Zwischenzeitlich sprach ich auch noch einmal mit der Dame über mein Vorhaben heute, was ich denn nun mache.  Zugegeben, so 100% sicher war ich mir da heute auch nicht, weil das Wetter so ein extrem großer Unsicherheitsfaktor war.

Ich lief normal los und kannte ja Teile des Weges vom letzten Jahr, nur das ich dieses Mal nicht Richtung Ortler abgebogen bin. Der Weg an sich verlief einwandfrei bis dann der sehr steile Part Richtung Prader Alm kam. Der steile Abschnitt war echt anspruchsvoll muss ich sagen und jeder Schritt wurde mit Bedacht gesetzt. Da es am frühen Morgen noch geregnet hatte, mußte man aufpassen auf nasse Wurzeln und Steine. Langsam und sicher schlängelte ich mich nach oben. Damit war der anspruchsvollste Part bereits erledigt und viele Höhenmeter eingesammelt. Das Wetter bis zur Prader Alm war ok. Etwas sonnig und dann bewölkte es sich. Von der Prader Alm bis zur Furkelalm habe ich mich dann etwas beeilt, da bereits dunkle Wolken über die Berge drängten, wie ungefähr zu der Zeit prognostiziert gewesen.

Statt im Regen zu laufen, entschied ich mich, dort auf der Alm den kurzen Schauer durchziehen zu lassen. Außer drängte sich mir der Gedanke von Plan A mit der Seilbahn auf. Ich checkte noch einmal das Wetter und es war wirklich nur kurz Regen und dann hatte ich einen Zeitslot  von ca. 2 Stunden bis zum Stilfser Joch. Falls es nicht läuft oder das Wetter bedrohlich wird, hätte ich später noch Plan B gehabt. Plan C war zeitlich eigentlich schon außen vor, durch den verspäteten Start.

Also spontan Plan D für die restlichen 8-9 Kilometer. Die Anstiege waren jetzt gemäßigter und der Trail leicht zu gehen. Nur 2 kleine Passagen waren noch steil. Vollgas bis die Sohlen glühen. Das war keine Frage mehr von Physis, sondern Kopf. Gedanklich die Plaketten wieder unter dem aktiviert und sowie es aufhörte zu regnen, schoss ich quasi aus dem Startblock. Alles was Ebene und Abstieg war, kalkulierte ich mit 5,5 km / h und Anstiege mit 3,5 km / h. Also knapp unter 2 h für den Rest. Nach dem Schauer klarte es auf und ich nahm mir trotzdem die Zeit die herrlichen Ausblicke auf den Ortler zu genießen, wo ich letztes Jahr zur Tabarettahütte aufgestiegen bin und Leo kennengelernt hatte, mit dem ich eigentlich fast bis zum Schluss zusammengelaufen bin.

Es ging kontinuierlich nach oben und man merkte auch, dass es kühler wurde. Ich musste als schnell laufen, um warm zu bleiben. 😀 Ich wanderte am Berg entlang und so 4 km vor dem Ziel war schon die nächste Regenfront hinter dem Berg zu sehen, wie sie aufstieg. Ich bewegte mich auch immer mehr in den Zeitrahmen zwischen 12/13 Uhr mit 60% Gewitterneigung. Bedeutete, noch einmal eine Extraschippe in den Kohlenofen feuern und Gas geben. Irgendwann sah man schon das Joch, doch man musste noch eine Kehren am Berg passieren, sodass es sich natürlich zog. Was ich nicht gerafft habe, dass mir immer wieder Leute entgegen kamen kurz vor dem Ziel, die quasi locker 2 Stunden bis zur nächsten Hütte unterwegs sind und dort ist kein Schutz, wenn ein Gewitter kommt. Unbegreiflich für mich. Aber Darwin muss auch seine Daseinsberechtigung haben. 😀

Es wurde dann schon dunkler, aber kein Donner o.ä. zu sehen oder zu hören. Aber die ersten Tropfen kamen und ich sputete mich dann bis zum Joch, um nicht unnötig noch kaltnass zu werden. Und tatsächlich schaffte ich es rechtzeitig. Komoot mit schnell Konfiguration sagte 05:17 Stunden und ich antwortete mit 04:01 Stunden inkl. 15 Minuten Zwangspause an der Furtelhütte. Zugegeben, es war mit Sicherheit nicht die schlauste und risikoärmste Variante, aber ich war überzeugt von meinem Können und Kondition, dass ich es rechtzeitig schaffe. Ich laufe in der Regel auch so vom Energiemanagement, dass ich notfalls die letzten 1-2 km rennen kann mit ca. 10/11 km / h, wenn es brenzlig werden sollte.

Angekommen am Joch schaute ich bei Google nach einem ordentlich Hotel hier oben. Es gibt einiges hier, aber auch paar die nicht so gut sind. Mein Wunschhotel lag glücklicherweise direkt auf der anderen Straßenseite. Also ging ich hinein und erfragte nach einem Zimmer. Über Booking hatte ich gesehen, dass die noch einiges frei hatten, deswegen auch keine Reservierung heute gehabt. Im Zimmer angekommen, regnete es noch ganz minimal, aber es kam dann auch die Sonne wieder raus. Es folgte die Ankommroutine mit Waschen, Duschen, Materialpflege, damit morgen früh wieder alles frisch und sauber ist.

Ich nutzte dann etwas Zeit zu Erholung, ging dann aber zeitnah noch einmal raus zum gucken und erkunden, weil 15 Uhr dann das richtige Unwetter kam mit Gewitter und starkem Regen, gepaart mit der einen oder anderen Schneeflocke. Ja, Schneeflocke! Das Stilfser Joch liegt auf fast 3000 m. Da ist das nicht unwahrscheinlich. Ich machte es mir dann im gemütlich und schaute aus dem Fenster dem Wetterchen zu. Das ging so ca. 1,5 Stunden und ich aß noch etwas u d kochte mir einen Kaffee mit dem Campingkocher im Bad. Da war ein Luftabzug, von daher passte es. 😀

Später bin ich noch einmal hier oben umher gelaufen und habe rumgeschaut und die Weitblicke genossen. Und die waren wirklich fantastisch, da jetzt auch die Menschenmassen weg waren. 19 Uhr ging ich dann zum Abendbrot, wo lecker was zu Essen gab. Ich hatte es großen Hunger heute Abend. Danach bin ich auf mein Zimmer und habe relaxt und mich auf morgen vorbereitet, wenn es Richtung Issolacia geht. Damit verlasse ich nun mein geliebtes Südtirol und hoffe auf ein baldigen Wiedersehen. Mal schauen, wie es in den nächsten Tagen wegen Blog ist, wie gestern bereits angedeutet. Ich halte euch natürlich so gut es geht auf dem Laufenden.