Alpenüberquerung
Wien - Nizza

32. Etappe: Cortina d’Ampezzo – Rifugio Passo Valparola

An sich habe ich gut geschlafen, aber der Jetlag mit einer Stunde Unterschied vom Frühstück zwischen Hütten und Hotels, macht sich schon bemerkbar. Im Hotel ist meist 7.30 Uhr und in Hütten 6.30 Uhr oder 7.00 Uhr. Im Hotel denkt man immer, dass man abends ein Stück länger machen kann, aber man wacht halt trotzdem so gegen 6 Uhr auf. Ob man will oder nicht. So ist der Biorhythmus eben.

Der Blick nach draußen lässt mich sowieso meist schon direkt m wach werden und man möchte am liebsten sofort los. Aber das übliche am Morgen. In Ruhe fertig machen, packen, Wetter und Etappe checken und vielleicht noch Maniküre und Pediküre, sowie heute. Klar ist das lästig, aber notwendig. So vertue ich mir noch sinnvoll die Zeit bis zum Frühstück. Und das Frühstücksbuffet war echt mega gut.

Sehr abwechslungsreich bestückt von süß bis herzhaft, Obst, Gemüse, Getränke uvm. Heute habe ich mich auch auf paar süße Blätterteigspeisen hinreißen lassen. Aber so lecker wie das ist, um so dümmer ist es auch, weil ich ganz genau weiß, dass ich sowas vor sportlicher Betätigung nicht essen sollte, Sodbrennen und Bauchschmerzen. Dümmer geht immer – vorallem bei mir. 😀 Doch es war sooo lecker. Ich konnte einfach nicht widerstehen, also muss ich mit den Konsequenzen leben.

Heute stand wieder eine aufstiegsreiche Etappe an mit 19,4 km, 1450 hm Aufstieg und läppische 490 hm Abstieg. Kurz nach 8.30 Uhr ging es dann los in aller Gemütlichkeit. Leichter Weg, minimaler Anstieg, etwas bewölkt und angenehme Temperaturen. Aber es hat sich schon etwaa abgekühlt. Heute hatte ich mich für lange Hosenvariante entschieden, da mir gestern permanent die kleinen Steinchen in den Schuh geflogen sind. Das nervt und muss weg. 😀

Noch einen letzten Blick auf Cortina werfend verschwand ich dann im Wald. Der Weg war super zulaufen und man konnte genießen. Ich war auch etwas froh aus Cortina raus zu sein, da das kleine beschauliche Städtchen trotzdem ganz schön laut war. Aber der Straßen- und Baulärm wich den Klängen der Natur. Das erste Ziel war die Passstraße Passo Giau weiter oben. Damit wären die ersten 309 hm bereits absolviert. Der Trail plätscherte so vor sich hin und ich ließ die Gedanken schweifen. Verschiedene Themen kamen und gingen, aber die große Selbsterkenntnis war heute nicht dabei. Nur der Blätterteigmist machte sich nun bemerkbar. Das hielt nicht lange an glücklicherweise und tat der Perfomance keinen Abbruch. 😀

Am Pass angekommen, war die Straße nicht zu überhören. Ein Porsche Club hatte wohl Ausfahrt gemacht und hat total übertrieben jedes Mal den Motor hochheulen lassen. Total bescheuert, solche Leute! Kann man nicht anders sagen. Zum Glück war der Pass schnell überquert und es ging jetzt deutlich steiler bergan Richung Monte Averau. Man merkte auch, dass wieder ein Touristenmagnet kommt, da es dort Seilbahnen gibt. Dann ein kleiner historischer Moment. Mein Weg mündete auf den Dolomitenhöhenweg 1, den Martin und ich im August letzten Jahres gegangen sind vom Rifugio Lagazoi zum Rifugio Croda da Lago. Aus Tradition habe ich auch an den Stellen Pause gemacht, wo wir letztes Jahr gerastet haben.Ich probierte noch eine andere Variante im Abstieg, da diese offensichtlich leichter war und ich mir das kleine, steile Kletterstück gespart habe.

Ich lief die Strecke quasi rückwärts bis zum Fuße der Lagazoi Hütte und bog dann westlich ab Richtung Rifugio Valparola. Das war dann 20-30 Minuten und dann war ich nach knapp 5 Stunden gegen 13.30 Uhr dort. Der Check in ging zügig von statten und ich bezog mein Zimmer. Das Witzige war, ich habe den Raum „Sass de Stria“ was auf deutsch heißt „Hexenstein“. Das ist hier gleich der Berg nebenan, wo ich vorhin die Kletterer dran gesehen habe. Da musste ich schmutzeln mit meinem Hexenberg, wo ich wohne. Alles total neu und modern. Ich kam in den Raum und dachte mir auch… wow! Allein für mich. 😀 Mal sehen wie die Nacht ist. Die übliche Ankommroutine mit Sachen waschen und Duschen stand als erstes auf dem Programm.

Danach legte ich mich gemütlich auf das Bett und hielt einen kurzen Powernap. Ich machte mich dann an die Organisation der nächsten Tage und Etappen, was Länge und Unterkünfte betrifft. Ich habe nun ungefähr eine Woche vorgeplant, da ich mein Versorgungspäckchen in Empfang nehmen möchte, an einer Unterkunft optimalerweise. Meinen Geburtstag werde ich in Bozen feiern. Vielleicht hat ja der Bahnhof paar Highlights zu bieten. Wie gestern bereits angedeutet, mache ich in Meran einen Ruhetag. In den letzten Wochen habe ich bei einigen Freunden im WhatsApp Status gesehen, dass sie rund um Meran sich die Gegend angesehen haben. Daher will ich dort nicht einfach durchrauschen. Und nach Meran geht es dann schon langsam auf den Schweizer Abschnitt zu.

Aber nun genieße ich in den nächsten Tag noch die Dolomiten in vollen Zügen. Mal sehen, ob ich mich so leicht trennen kann. Die Organisation und Recherche nahm natürlich etwas mehr Zeit in Anspruch, bis ich dann so 17.45 Uhr wieder raus bin, an die Luft und den Ausblick aufgesaugt habe. 18.45 Uhr gab es dann lecker Abendbrot. Es gab einen Vorspeisensalat, Nudeln mit Öl und Knoblauch und als Sekundi ein Schnitzel mit Kartoffeln. Dessert war ein Stück Kuchen. Das war alles sehr lecker und reichlich. Die Glykogenspeicher für morgen sind damit bestens gefüllt, wenn es auf den Piz Boe rauf geht. Meinen Streckenverlauf habe ich noch etwas umgestaltet, sodass ich von hier direkt auf den Piz Boe zu laufe und nicht so weit außen herum über die München- Venedig-Variante, da die Unterkünfte dort ausgebucht sind. Das entspannt die Etappenlänge der nächsten 2 Tage etwas. Dieses Mal hat es mit einer Übernachtung oben leider nicht geklappt.  Dafür bin ich zu Gast im Rifugio Forcella Pordoi.

Jetzt lasse ich Abend gemütlich ausklingen und schlafe hoffentlich etwas eher ein und besser aus am Morgen. 😀