Alpenüberquerung
Wien - Nizza

31. Etappe: Lago di Misurina – Cortina d’Ampezzo

Ich hatte einigermaßen gut geschlafen. Leider war das Hotel so mega hellhörig, dass man alles drum herum gehört hat. Zugegeben, dass war bisher das bescheidesnste Hotel auf meiner ganzen Tour. Naja, was ist schon perfekt. Ich war gegen 6 Uhr wach und es folgte die übliche Morgenroutine und schon einmal einen Blick auf die nächsten Tage. Meinen Rucksack hatte ich fertig gepackt und ein Blick nach draußen, machte wieder Lust endlich raus zu kommen. Die Sonne schien, blauer Himmel, dennoch etwas kühl. 7.30 Uhr ging es zum Frühstück. Typisch italienisch mittlerweile, mehr süß als herzhaft. Aber die 2 Hunde haben mich gut abgelenkt. 😀

Wohl gestärkt, ging es 8.30 Uhr endlich wieder auf den Trail. Ich hatte am Abend zuvor die Etappe noch etwas geändert, sodass ich zu Beginn nicht absteige, sondern eher hoch auf die Wege komme, wo keiner ist. Im Nachhinein betrachtet, war es eine echt gute Entscheidung. Die Wetterprognose war auch perfekt für den Tag, also konnte man entspannt die 17,1 km mit 790 hm Aufstieg und 1340 hm Abstieg bestreiten.

Zu Beginn ging es gleich hoch und weg vom See und es eröffneten sich nach nur ganz kurzer Zeit herrliche Ausblicke. Der Weg bis hoch war sehr gut begehbar und wurde dann natürlich schmaler. Es ging immer mal über steiniges Gelände und Schotter, so wie normaler alpiner Wanderweg. Eine interessante Misxhung. Dann kam die 1. Schlüsselstelle des Tages. Eine recht steile Rinne kreuzen, wo alles lose und kleinsteinig war. Durch den Regen gestern war der Vorteil zumindest, dass sich das Material gesetzt und etwas verfestigt hatte. Dadurch waren die Tritte deutlich stabiler. Wenn es komplett trocken wäre, ist die Gefahr des Rutschtens usw. signifikant höher.

Nachdem ich die Stelle problemlos gemeistert hatte, folgte ich einem schönen Wanderpfad, der dann wieder die erarbeiteten Höhenmeter egalisierte. Vom Schwierigkeitsgrad erinnerte mich das an die Etappe vor 2 Tagen auf dem Karnischen Höhenweg. Steiler Hang, aber gut gehbarer Weg. Man muss natürlich immer aufpassen, wo man hintritt und wenn man sich umsehen möchte, bleibt man stehen. Beides gleichzeitig könnte problematisch werden.

Irgendwann war leider wieder die Straße erreicht, die ich nicht gehen musste. Eine Umgehung des Straßenabschnitts war auch schön zu laufen. Zwar runter und wieder hoch, aber dafür herrlich schön im Wald. Dann bog ich langsam schon auf das Tal ein, wo Cortina lag. Der Weg ging dann noch einmal gut steil bergan in einem Skigebiet, aber die Wege waren jetzt einwandfrei zugehen. Bevor der lange Abstieg kam, kam noch eine zweite Schlüsselstelle. Die Kreuzung eines steilen Bachlaufs. Auf den Fotos sieht das immer recht easy aus, aber die kurzen Wege zum Bach runter und wieder hoch, waren nicht ganz ohne und man musste gucken, wo man hin tritt, dass man nicht wegrutscht. Und wenn man weggerutscht wäre, hätte man das Gelächter von den Leuten aus dem Lift auf seiner Seite gehabt. Denn die Streckenführung ging genau dort drüber. 😀 

Aber die Schlüsselstelle habe ich auch dieses Mal problemlos geschafft und jetzt ging es ganz easy und relativ flach absteigend über eine Wiese (Weide) und durch Waldgebiete. Die Ausblicke, die man zwischendurch immer wieder bewundern kann, sind einfach so ein fantastisches Geschenk der Natur. Ich denke, die Bilder sprechen mehr als für sich.

Ab dem Rifugio Mietres ging der Forstweg dann deutlich steiler Richtung Cortina abwärts. Immer wieder kamen mir E-Biker entgegen, die ganz gemütlich im Sattel „sich hochfahren ließen“. Die Steilheit war sogar schon als Fußgänger grenzwertig, dass man auf den Steinen nicht rutscht. Naja, egal. Und ja, ich bin natürlich immer mal gerutscht. Das lässt sich manchmal kaum verhindern, wenn paar kleine Steinchen auf großen glatten Steinen liegen und man dann drauftritt. Durch den verschobenen Schwerpunkt mit dem Rucksack, geht das dann halt fix. Und zack… gerutscht. 😀

Ich habe auch gemerkt, dass ich bald die neuen Schuhe brauche. Die Sohle und das Profil neigen sich dem Belastungsende. Mit knapp 700 km (inkl. Test- und Einlaufkilometer) kommt das ungefähr so hin, wie ich das für den Schuh auch recherchiert hatte. Da war auch die Empfehlung 2-3 Paar einzuplanen. Also alles im Rahmen der Planung. Ich vermute, das Finale wird dann in 2 Tagen sein, wenn es das große Schotterfeld von der Pordoihütte runtergeht. An das erinnere ich mich noch sehr gut von 2016 auf dem Traumwanderpfad München-Venedig, als wir vom Piz Boe abgestiegen sind zum Lago di Fedaia. Das war geil dort, als wir die Dresdner Camper dort getroffen hatten und die uns auf ein Becher Ramazotti eingeladen hatten.

In Cortina angekommen, ging es zur Unterkunft Hotel Corona 😀.  Das lag zum Glück nicht ganz so in der Touristenzone. Ich war so gg. 13 Uhr dort und ich konnte schon einchecken. Also folgte die normale Ankommroutine mit Sachen waschen und Duschen. Die Sonne kam dann auch rum auf dem Balkon und die Sachen waren in null Komma nix trocken.

Später bin ich dann noch ins Zentrum gegangen, um etwas Proviant und Abendbrot einzukaufen. Das Zentrum war natürlich sehr touristisch mit jeder Menge Leute. Das fetzt mir leider nicht so sehr und ich beeile mich dann meist, um wieder raus zukommen. Jetzt folgen wieder 3 Hüttentage, bis ich dann Bozen erreiche. Entweder mache ich dann dort oder 2 Tage später in Meran mal wieder ein Ruhetag. Tendenziell aber eher in Meran, da ich Bozen bereits gut kenne und mehrmals schon angesehen habe bei Tag und bei Nacht, in der Vergangenheit.

Nach dem Stadtbummel musste ich auch feststellen, dass hier gefühlt an jeder Ecke gebaut wird. Interessanterweise sah das letztes Jahr schon so aus, als ich mit Martin per Flixbus von Longarone nach Toblach durchgefahren sind. Viele Kräne und Baustellenlärm. Morgen geht es dann weiter und wieder raus aus der Stadt zum Rifugio Passo Valparola. Da geht es unter der Lagazoihütte entlang, wo ich letztes Jahr oben war mit Martin auf dem Dolomitenhöhenweg 1.

Resüme der Etappe: Auch wenn der Text nicht ganz so danach klingt, aber die Etappe heute, war echt toll. Abwechslungsreich, spannend, vielfältig vom Gelände und Anspruch. Eine sehr tolle Mischung, stets begleitet von atemberaubenden Ausblicken. Wer da bei den Bildern keine Lust bekommt, hinfahren zu wollen, wem ist auch nicht mehr zum helfen. Scusi! 😀