Alpenüberquerung
Wien - Nizza

17. Etappe: Donnersbachwald – Rudolf-Schober-Hütte

Diese Nacht habe ich echt gut geschlafen bis ca. 6 Uhr, wie immer. Gegen 3 Uhr nur ein kleiner Pitstop und dann ging es weiter. Nach dem Aufstehen noch fix meine 7 Sachen eingepackt, Bad und dann ging es kurz vor 7 Uhr zum Frühstück. Vorher bin ich noch um das Haus geschlichen, auf der Suche nach der Abkürzung, um zum Start nicht unnötig noch durch den Ort laufen zu müssen. Hatte sie dann gefunden und bin zum Frühstück gegangen. Ich war der Erste am reichhaltigen Buffet. Also ordentlich und schnell reingehauen, bevor die ganzen Kinder kamen. So hatte man seine Ruhe.

Ich habe dann noch meinen Rucksack geholt, den Schlüssel abgegeben und los ging es. Der Tag heute war etwas spezieller für mich, da eine Art Leistungserfassung auf dem Programm standen. Lange Strecke, viele Höhenmeter, Wärme, unter 9 Stunden als Zielzeit für die knapp 28 km, 2140 hm Aufstieg und 1470 hm Abstieg. Mal schauen, ob das der Körper heute so schafft oder wann ich komplett alle bin.

Kurz vor 8 Uhr ging es dann los durch meine Abkürzung. Eine hüfthohe nasse Wiese. Jawohl. Da waren die Hosen gleich direkt nass. Die Schuhe zum Glück nicht. Nach ein paar 100 Metern, die erste Aufregung. “Baustelle. Betreten verboten” Es gab nur diesen einen Weg. Da wurde an einem Lawinienschutz des Bachlaufs gebaut und die LKWs fuhren ihre Ladung hin. Naja, scheiss drauf. Bin trotzdem durch gelaufen. Es gab zum Glück keinen Anschiss. Aber der Weg war etwas steiler und ich sehr zügig. Also nach 20 Minuten direkt gut angeschwitzt. 😀 Der Forstweg ging bis zum Talschluss und dann kam der erste knackige Anstieg des Tages, hoch zur Gstemmerscharte. Der gut markierte Weg verlief durch viel grün, war aber teilweise ganz schön schlammig durch die Weidetiere. Der Anstieg lief aber gut durch und ich hatte keine konditionellen Probleme.

Der Abstieg bis Mößna war wieder so eine Schlammschlacht,was den Weg betraf. Viel bodenlos und viel Wasser. Aber die tolle Aussicht entschädigt natürlich das Ganze, wie man in dem Video gut sehen kann.

Dann verschwand der Weg im Wald und ringelte sich talwärts. Damit war der erste große Hügel für den Tag bereits erledigt. Als ich in Mößna ankam, hatte ich ca. schon eine Stunde gutgeschrieben, gegenüber der Streckenplanung. Es folgte dann leider im Tal eine längere Strecke an der Straße entlang bis St. Nikolai. Aber ähnlich wie am Vortag sind auch die Blicke aus dem Tal heraus wunderschön.

Endlich konnte ich die Straße verlassen und bog ab, auf den wohl schönsten Abschnitt meiner bisherigen Wanderung. Aber erst einmal hieß es Mittag machen und Wasser nachfüllen. An geeigneter Stelle am Wegesrand mit Bank, war ein prima Pausenplätzchen. Apfel, Riegel und eine Scheibe Knäckebrot. Aus dem Fluss noch fix gefiltert und weiter ging es. Je weiter ich in das Tal einlief, um so imposanter wurden die Ausblicke. Absolut Wahnsinn. Es erinnerte irgendwie an die Szene aus Jurassic Park, als die mit dem Hubschrauber dort an kamen. Nur waren es keine Dinosaurier, sondern Kühe. 😀 Der Weg zum Talschluss war ein gut begehbarer Forstweg und man konnte hier die Einzigartigkeit der Natur genießen.

Dann kam der 2. steile Anstieg des Tages bis hinauf zur nächsthöher gelegenen Alm. Auch dort war die Natur nicht zu übertreffen. Ich lasse einfach die Bilder für sich sprechen. Wenig später folgte wieder “Trail-Magic” in Form einer Getränkebar mit gekühltem Bier, Cola oder Säften. Ich blieb aber bei Wasser und plauderte dort kurz mit einem pausierenden Wanderer.

Nach der Umrundung des Sees folgte der nächste steile Anstieg, sogar mit einem kleinen Abschnitt mit Leitern. Aber bisher alles kein Problem und der Körper machte auch gut mit. Immer wieder blieb ich kurz stehen, um diese fantastischen Ausblicke auf mich wirken zu lassen. Man kann anhand der Bilder nur ansatzweise erahnen, wie schön es dort war. Als ich auch diese steile Passage gemeistert hatte, kam ein kleiner Patzer meinerseits (Nur, weil…). Ich bin an einer Abzweigung vom Weg abgekommen und es war nicht ersichtlich, wo der Weg durch das Dikischt lang gesehen sollte. Ich schaute noch einmal detailliert auf die Karte in welcher Richtung es weiterging und ich kämpfte mich paar Meter durch das Gestrüpp. Da war dann wieder der Weg und weiter ging es. Nach dem Flusslauf ging es noch einmal ein relativ steiles Stück zur Schimpelscharte hinauf. Jetzt merkte man langsam die Belastung und ich habe mein Tempo und Schritthöhe angepasst und arbeitete mich Meter um Meter der Scharte entgegen und rechnete mir die Strecke schön. 😀

Als ich dann endlich am letzten und höchsten Punkt meiner Tagesetappe ankam, bot sich auch hier wieder ein spektakulärer Blick. Einfach nur herrlich. Nun ging es steil bergab durch Geröll und Schotter bis zur Baumgrenze.

Doch die Natur ließ nun auch mal die Muskeln spielen und zeigte mir wieder einmal, dass dieses Hobby nicht ganz ungefährlich ist. In der Ferne sah man eine schöne ausgeprägte und freistehende Gewitterzelle, die hin und wieder vor sich hin donnerte. Sie befand sich aber genau da, wo der Wetterbericht diese gegen Mittag berechnet hatte. Südlich von mir, mit Zugrichtung südost. Also seitlich von mir weg. So konnte ich immer wieder mal stehen bleiben und gucken (ohne Spende). 😀

Wenig später dachte ich, dass Tiere irgendwo über die Steinplatten huschten. Aber das Grollen war länger anhaltend und entpuppte sich am Ende als Gerölllawine, die drüben am anderen Berg abging. Später an der Hütte, meinte der Hüttenwirt, dass das dort an der Stelle relativ normal ist. Da sind auch keine Wanderwege o.ä. Damit habe ich nun live auch meine erste Gerölllawine miterlebt und versucht das irgendwie auf Video festzuhalten. Man hört zwar das poltern, aber sieht kaum etwas außer Staub.

Nur ging es durch den Wald zur Hütte den letzten Kilometer und dann war die Etappe nach knapp 8,5 h auch geschafft und mit ging es erstaunlicherweise echt gut. Freundlichst von der Hütten-Crew empfangen sind wir schnell ins Gespräch gekommen und haben eigentlich fast bis zur Bettzeit gequatscht. Ein herrlich leckeres Abendbrot gab es zwischendurch auch und geduscht hatte ich dann auch mal. Die ganze Ausrüstung und Klamotten haben ordentlich Salzränder bekommen. Aber ich hatte keine Lust mehr, alles zu putzen. Morgen im Hotel machen, war der Plan. Als ich dann abends im Bett lag und der Körper zur Ruhe kam, hat man doch die Anstrengung des Tages gemerkt und die Übersäuerung des Körpers. Mir war dann so leicht schlecht und konnte nicht gut einschlafen. Noch eine Stunde rumgesessen und gewartet bis der Magen sich beruhigt hat und dann konnte ich auch endlich schlafen.