Alpenüberquerung
Wien - Nizza

9. Etappe: Voisthaler Schutzhütte – über Hochschwab (2277m) – Sonnschienhütte

Kleiner Rückblick

Nun geht die Reise bereits über eine Woche. Letzte Woche Montag ging es los in Wien und schwupp die wupp ist die 1. Woche rum und morgen bereits über 200 km. (Inklusive Verlaufkilometer.. Aber davon gibt es eigentlich fast keine. 😀) aber man kann schon sagen, mehr als 10% absolviert. Und es macht Spaß, unterwegs zu sein. Die Natur, die Tiere, die Menschen zu erleben und einfach mal raus sein aus der Alltagsblase. Natürlich müssen wir uns auch ehrlich machen, dass manche Etappen schon anspruchsvoll und etwas demoralisierend sein können. Gerade wenn es ganze Zeit regnet, starker Wind und kühl ist. Dann freut man sich einfach nur noch anzukommen in einer warmen Unterkunft. Heute wäre fast meine 3 Tage “kein-Regen-Serie” gerissen. Und da reden wir von wenigen Minuten. Mehr dazu im Laufe des Beitrags.

Wie im WhatsApp Status gestern angekündigt, gab es tatsächlich keinen Internetempfang, nur minimal Telefon, sodass man eine SMS an die Kommandozentrale schicken konnte, das man seine Stellung erreicht hat. (Two in Position!) 😀 Aber es war auch ok, so hat man Zeit mal bissl zu reflektieren und da nicht viel los war, ging einem da auch keiner auf die Nerven oder ähnliches. Jede Gruppe war für sich und meine Ich-AG.

Da ich gestern wirklich pünktlich ins Bett gegangen bin, war ich gg. 05.15 Uhr wach. Naja, erstmal schon durchs Bad, bevor dann später die anderen aufstehen und ins Bad rammeln. Immer schön antizyklisch arbeiten, was gestern Abend auch gut funktionierte. Ich hatte als erstes Abendessen bestellt und bekam schon zu essen, während alle erstmal waschen waren. So hatte ich dann das ganze Bad für mich. Ja, das sind die Fernwanderertricks, wo man immer denkt, dass man besonders schlau ist. 😀

Ich hab mich dann nochmal hingelegt, bissl geruht und die Augenlider von innen geschont. Frühstück war ja erst 7.30 Uhr. Mein primärer Gedanke war, wie kriege ich meine Navigation auf der Uhr gestartet – ohne Internet! Eigentlich wusste ich zu 100%, dass es nicht ohne Internet geht. Punkt. Aber diese Hoffnung…. die dann wie üblich in Enttäuschung mündet. Es könnte ja von Zauberhand doch irgendwie gehen. Aber das wäre dann was für die Geschichten aus dem sogenannten Paulaner Garten.

Ich hab meinen Kram zusammengepackt und gemerkt, ich werde langsam wieder schneller beim packen, weil ich weiß, wo welche Tüte hin soll und was ich anziehe. Danach habe ich noch meine Blasen am Fuß gepflastert. Das Thema ist doch akuter geworden, aber ich kriege es gut gehandelt mit Pflaster und den besonderen Heilmittelchen, die meine Schwester mir empfohlen hat und die letztes Jahr auch gut geholfen haben. Wie bereits angedeutet, mache ich in Eisenerz einen zusätzlichen Ruhetag, zum erholen und Blasen auskurieren. Mit Nadel und Faden anzustechen, hat gut funktioniert, um die Größe zu minimieren und die Haut bleibt drauf und die Blase öffnet sich dadurch nicht. Als das alles erledigt war, ging es dann zum Frühstück. Sehr akzeptables Buffet für eine Hütte. Es fehlte an nix und ich konnte mich vielseitig stärken für meine heutige Tour. Gedanklich war ich nochmal bei dem Navigationsthema und vorallem Wetter. Ich hatte keinen Wetterbericht für den Tag und immer nur in den anderen Gesprächen mitgelauscht ala Stasi-Spitzel. 😀 So hieß es im Tenor, dass es heute scheppern sollte. Praktisch, wenn man auf den höchsten Berg Hochschwab (2277m) läuft, der in der Region steht. Meistens kommen die Gewitter in den Bergen, aber eher mittags oder nachmittags, wenn die Sonne alles aufgewärmt hat. Da der Berg gleich relativ zu Anfang kam, war das Risiko überschaubar.

Nach dem Frühstück ging es los. Die Navigation habe ich erstmal über das Handy gestartet, weil dort die Navigation offline möglich ist und die Karten heruntergeladen wurden im Vorfeld der Tour, genau für so einen Fall. Also ging es erst einmal los und bin dann solange gelaufen, bis ich wieder Internet hatte und habe dann wieder auf die Uhr gewechselt. Das ist einfach angenehmer, statt immer das Handy nehmen zu müssen. Ok. Heute wäre es tatsächlich sogar auch ohne gegangen, weil es nicht viele Weggabelungen gab und ich grob die Stationen eingeprägt hatte für den Tag.

Keine 200m Weg von der Hütte, dann eine große Überraschung. Da stand einfach mal eine Herde Steinböcke auf dem Weg. Ich bin langsam drum herum getippelt, ohne das sich die Tiere an mir gestört haben. Die haben weiter ihr Grünzeug gesnackt. Dann kam der Graf-Meran-Steig. Der war nicht gefährlich, aber schon recht steil im Anstieg und die Bäche flossen wieder den Körper entlang. Während des Aufstiegs habe ich gemerkt, dass der Körper aktuell schon am Limit ist bzw. die Glykogenspeicher nicht richtig voll sind. Da merkt man schon, dass man mehr Carb zu sich nehmen muss, die Energie liefern. Paar Bemmen mit Wurst und Käse reißen es da nicht raus, sondern stillen nur den Hunger für den Moment. In Eisenerz gibt es dann den vollen Muskel-Refill. 😀 Selbst in dem Steig waren noch paar Herden von den Steinböcken, die mir freundlicherweise Platz machten, sodass ich nicht ins gefährliche Gelände ausweichen musste.

Je weiter ich aufgestiegen bin, so kam endlich das Internet und ich konnte den Wetterbericht anschauen bzw. meine Uhr Navigation starten. Für die nächsten 1.5 Stunden war kein Schauer zuwarten, sodass ich problemlos den Gipfel machen konnte. Eine kleine Zwischenstation war das Schiestlhaus, wo ich meinen ersten Fehler auf meiner Wanderungen gemacht habe. Zum Gipfel sollte es von dort nur noch 30 min sein über einen Steig. Jedoch dann sah ich das Schild, dass man bei Schnee und Eis nicht gehen sollte, obwohl es von unten an sich gesehen, nichts dramatisches zu erwarten war. Aber ich kann nicht um den Berg schauen und wollte nicht aufsteigen, um dann wieder runter zu müssen, weil es nicht weiter geht.

Also entschloss ich mich, die Alternativroute zu gehen, die vom Schwierigkeitsgrad her auch um einen Grad leichter war. Und damit brach ich die erste Regel “Halte dich an deinen Plan!” Kurz vor dem Gipfel führten dann beide Wege wieder zusammen. Also ging es los und hinauf gen Gipfel. Kurz vor dem Gipfel bei der Wegzusammenführung musste ich ein Utensil aus dem Rucksack nehmen, welches ich eigentlich nur gern mit mir herumgetragen hätte, anstatt es zu benutzen. Meine Grödl (quasi kleine Spikes für die Schuhe, um im Schnee oder Matsch besseren Grip zu haben. Um auf den anderen Weg zu kommen war so ein 5-6m hohes und doch recht steiles Schneefeldstück, dass es zu bewältigen galt.

Also Grödl an und die ersten Tritte in den Schnee geschlagen. Der Grip war super und das Schneefeld war innerhalb von wenigen Minuten überwunden und ich war fast am Gipfel, der schneefrei war. Also doch nicht so dramatisch.. Zum Glück. Als ich oben war, habe ich nochmal den anderen Steig von oben angesehen. Schneefrei gewesen. Mist. 😀 Naja, damit ich die Dinger auch mal wieder an. Am Gipfel habe ich dann kurz verweilt und bissl geschaut, was auch das Wetter so tut. Es sollte so 13.30-15.00 Uhr dann richtig regnen. Das Zeitfenster fiel natürlich genau in meine geschätzte Ankunftszeit. Ab jetzt ging es eigentlich fast nur noch abwärts und immer mit ein paar kleinen Anstiegen.

Es ging dann weiter zum Fleischer-Biwak. Wenn man den Namen hört, hat man so eine Vorahnung, was einen erwarten könnte. 😉 Echt cool, so eine kleine Biwakschachtel mitten auf dem Berg. Von diesen gibt es mehrere in den Alpen, die einem echt den Arsch retten können, in Notsituationen. Aber ich war ja zum Glück mal nicht in Not. Der weitere Abstieg hielt viele tolle Fernblicke parat und man konnte dadurch immer bisschen den Himmel beobachten, was er so tut, da es um mich herum bereits hier und da schon schon die schmalen Strippen aus den Wolken hingen, ähnlich wie die Arme von Sebastian aus seinem T-Shirt. 😀

An dieser Stelle lasse ich mal die Bilder in der Galerie für sich sprechen, da auf dem Weg zum großen Speikboden. Die Landschaft war schon sehr eindrucksvoll und weit und breit meine Menschenseele. Nur die Berge, die Schneefelder, das Wetter und ich. Dann wurde es relativ einfach das Gelände und ich nutzte Mal die Zeit, den gestrigen Beitrag online zustellen. Es war ja alles vorbereitet und ging dann fix. Nochmal den Wetterbericht gecheckt und damit wurde fast klar, dass ich nicht trocken ankommen werden an meinem Ziel der Sonnenschienhütte. Aber ich habe es genauso genommen wie heute morgen mit der App. Vielleicht geht es ja doch. Es waren dann nur noch 5-6 km, aber halt steiniger Weg. Aber ich hab trotzdem mal die schnellen Schuhe gebunden und bin bissl zügiger gelaufen. Der Weg hat es zum Glück hergegeben. Hier und da ein kleines obligatorischen „Äh“, weil man mal gerutscht ist oder so. Alpiner Schotterweg halt.

Ich habe dann gut Meter gemacht und 4 km vor dem Ziel haben mich größere Tropfen getroffen und ich dachte dann, dass es jetzt losgeht. Also kurz stehen geblieben, Regensachen an und weiter ging es. Wenn man die Bilder so sieht, hätte jeder gesagt, dass es gleich runterhaut. Aber zu meiner Überraschung blieb der große Guss aus. Aber bitte gern. Also ging der “Speed-Run” weiter gen Hütte. Je näher ich der Hütte kam, tröpfelte es hier und da mal mehr und weniger. Ich zählen das mal noch nicht als Regen.. der Serie wegen. 😀 Dann meldete sich auch Petrus lautstärker zu Wort. Ich konnte es nicht ganz lokalisieren, von wo es kam, da ich mittlerweile wieder unterhalb der Baumgrenze lief. Aber die dunklen Wolken sahen nicht gut aus und hingen schon weit runter. Am Ende habe ich zu Fuß eine Gewitterzelle “gechast” 😀 Dann kam die Hütte endlich in Sichtweite und ich sah links von mir das Tor zur Hölle, welches die Spitze eines Berges widerspiegelte. Auf den Bildern wirkt es leider heller als es war. Ich ganz fix zur “rettenden” Hütte. Tagesziel auf die Minute erreicht, denn so wie ich den Checkin begann, hatte es draußen begonnen sehr kräftig zu regnen. Gewittert hatte es hier direkt nicht zum Glück, da das doch wo anders war. Als ich in die Hütte kam, kam mir zu allererst ein ganz lieber Hund entgegen. Wir waren sofort Freunde. Er genoss die Streicheleinheit, bis der Hüttenwirt kam.

Erstmal in Ruhe angekommen, Sachen gewechselt und aufgehangen und gewartet, bis das Zimmer zum Bezug fertig war. Ich nutzte gleich die Zelt paar Nachrichten zu beantworten, die so in den letzten Tagen unbeantwortet blieben. Die Sonnenschien Hütte hat ein freies WLAN. So können wir wieder zum Rhythmus zurückkehren, dass so zwischen 19-20 Uhr der Beitrag oder Bettgeschichte für manch anderen pünktlich fertig ist. 😀 So wie ich meine Zeit in der Gaststube verbrachte und schrieb, kam der Hund Immer wieder zu mir und ich kann da auch nicht nein sagen, wer mich kennt. Später kam er mit rauf auf die Bank und legte den Kopf auf mein Bein. Zum Glück haben ihn meine, wie üblich, muffigen Hosen nicht abgeschreckt, sodass es keinen Übeltäter gab, der die Steicheleinheit verhinderte. 😀

Ich hatte mich für eine Halbpension heute entschieden mit 3 Gänge Menü zum Abendbrot. 18 Uhr war dann endlich Essenaufnahme. Außer Frühstück war heute noch nix. Mein Essens-Management muss ich aber definitiv noch optimieren, um leistungsfähiger zu bleiben. Dazu werde ich mich in Eisenerz dann entsprechend eindecken.

Der Hüttenwirt meinte bei meiner Anmeldung, dass heute nicht viele kommen werden. Vielleicht kann ich wieder alleine im Zimmer nächtigen. Der Husten Typ, der zwischenzeitlich ankam, ist zum Glück schon mal nicht mit in meinem Zimmer.. Sonst müsste ich halt auch mal wieder gepflegt, dass sogenannte Kisten ins Gesicht drücken. 😀

In der Gaststube ist eine Dartscheibe. Mal sehen wie lange ich widerstehen kann, bis mir die Elektrodartscheibe die erste 180 entgegen piept oder der Pfeil links durchs Fenster geflogen ist. Hab ja über eine Woche jetzt nicht gespielt. Was jetzt noch am heutigen Tage kommt, ergänzen ich später oder thematisiere morgen. Gute Nacht

Mein postives Highlight: überraschend. Der Hund! 😀

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